Rote Bete – die Wurzel des guten Geschmacks

Raus aus der Erde, rein in die Gourmet-Küche: Obwohl der Frühling schon in der Luft liegt, ist die Winter-Rüben-Saison noch voll im Gange. Mittendrin Rote Bete: voller Aroma, gesunder Power und bemerkenswert vielseitig.

Früher gab es sie aus Omas Weckgläsern, heute das ganze Jahr über im Glas zu kaufen. So kennen wohl die meisten Rote Bete. Oder Rote Beete? Kurz: Beides geht. „Bete“ ist die ältere, tradierte Schreibweise. „Beete“ die neuere und eine Konzession an die Aussprache. Aber die rote Rübe, Rahne, Runkelrübe, Rande, Rotmöhre, Rone oder Salatrübe – wie sie noch genannt wird – kann viel mehr, sehr viel mehr, als sich gekocht sauer einlegen zu lassen.

Innere und äußere Werte

Hippokrates war davon überzeugt, dass Rote Bete heilsame Kräfte in sich bündelt und der Schweizer Arzt Paracelsus verordnete sie seinen Patienten bei Blutkrankheiten. B-Vitamine, Kalium, Eisen und Folsäure sind in der roten Knolle in besonders hoher Dosierung zu finden und machen die Rote Bete zu einem natürlichen Helferlein bei vielen Beschwerden. Wer regelmäßig Rote Bete isst oder den Saft trinkt, der kann so die Senkung seines Blutdrucks auf natürliche Weise unterstützen. Aber nicht nur die inneren Werte der Roten Bete können sich sehen lassen. Auch die rote Farbe ist ein nützlicher Helfer im Alltag. Sie stammt vom enthaltenen Betain – einem echten Stimmungs-Aufheller, der für Serotoninausschüttungen in unserem Körper beziehungsweise Glücksgefühle sorgt – und wird heute in der Lebensmittelindustrie als natürliches Färbemittel verwendet – etwa für Heringssalat. Aber auch in der Vergangenheit wusste man um die färbende Wirkung der Bete und nutzte sie zum Einfärben von Stoffen.

Geschmackliche Akzente

Rote Bete verleiht nicht nur vielen Gerichten ein intensives Pink. Sie setzt auch geschmacklich Akzente. Denn sie schmeckt lecker, leicht süßlich und doch herzhaft. Dennoch ist die Rübe ein klassisches Wintergemüse, zu dem nicht jeder Hobby-Koch auf Anhieb Zugang findet. Wobei viel lässt sich mit der „Wurzel des guten Geschmacks“ eigentlich nicht falsch machen. Denn Rote Bete schmeckt roh, ebenso wie gekocht, eingelegt, als Saft oder im Kuchen.

 

Rote Zahlen

Knapp 100.000 Tonnen Rote Bete wurden 2017 auf deutschen Feldern geerntet. Die Hauptanbaugebiete liegen in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Rote Bete kommt nicht nur als frisches Gemüse in den Handel, sondern wird auch für die Weiterverarbeitung angebaut. 2018 lag die Einkaufsmenge pro Kopf bei rund 0,2 Kilo. Zum Vergleich: 2015 waren es nur 0,17 Kilo. Langsam aber stetig erobert die Rote Bete das Herz des deutschen Verbrauchers zurück. Manche Gemüsebauern (vor allem Biobauern) bieten auch Weiße und Gelbe Bete an, meist handelt es sich um alte besonders schmackhafte Sorten.

Einkauf & Lagerung

Rote Bete gibt es ganzjährig, teilweise im Ganzen vorgegart in den Supermarktregalen. Denn je nach Größe der Knolle kann es bis zu 60 Minuten dauern, bis die Rote Bete gar ist. Ihre Hauptsaison hat die Knolle von September bis März. Beim Einkauf unbedingt darauf achten, dass die Schale unversehrt und die Rübe prall ist.

Rote Bete am besten kühl und dunkel lagern und darauf achten, dass sie nicht austrocknen. Je höher die Luftfeuchtigkeit, umso besser. Im Kühlschrank können die Knollen zum Beispiel in Papier eingewickelt gut zwei bis drei Wochen lagern.

 

Zubereitung

Das rote Multitalent ist äußerst unkompliziert in der Zubereitung. Die Knollen werden einfach geschält und verarbeitet. Fein gehobelte Scheiben eigenen sich beispielsweise perfekt für ein leckeres Rote-Bete-Carpaccio oder als farbenfrohe Zutat im frischen Salat. Rote-Bete-Saft lässt sich ganz einfach im Entsafter machen – in der Kombination mit Möhren und Ingwer ein unschlagbar köstliches Getränk! Aber auch das großmütterliche Einwecken ist kein Hexenwerk. Einfach die Rote Bete kochen bis sie gar ist (alternativ kann sie auch in Alufolie eingewickelt im Backofen gegart werden) und erst dann unter kaltem Wasser kurz abschrecken und schälen – so behält sie ihre schöne rote Farbe. Danach entweder in Scheiben oder als Ganzes in die Weckgläser geben und mit Essig, Gewürzen und eventuell etwas Ingwer abschmecken. Aber auch im Kuchen kann Rote Bete interessante und harmonische Akzente setzen.

Tipp: Einweghandschuhe verhindern rot verfärbte Hände!

Rote-Bete-Kuchen

Was gibt es Schöneres als einen leckeren, saftigen und süßen Kuchen – für Naschkatzen wahrlich das Größte. In der gemüsigen Version ist den meisten Backfreunden aber kaum mehr als der klassische Karottenkuchen bekannt. Dabei ist die Vielfalt an süßen Kuchen mit gesundem Gemüseanteil damit noch lange nicht erschöpft. Wie wäre es zum Beispiel mit einem schokoladigem Rote-Bete-Kuchen? Zusammen mit der Schokolade sorgt das tiefrote Gemüse für eine besonders schöne Färbung sowie besondere Saftigkeit und Textur des Backwerks.

Hier ein wintermärchenverdächtiges Backrezept:

350 g frische Rote Bete

200 g Zartbitter-Schokolade

4 Eier

150 g Vollrohrzucker

130 g Dinkel-Vollkornmehl

1 Prise Meersalz

1 TL Weinstein-Backpulver

35 g Kakaopulver

200 g Butter

4 TL Rote Bete Pulver

200 g Sahne

Backofen auf 180 °C vorheizen.

Rote Bete in Alufolie wickeln und für 40–50 Min. im Ofen garen. Nach 25 Min. Alufolie öff­nen, 1 EL Wasser dazugeben, Alufolie wieder verschließen und zu Ende garen.

Währenddessen eine 22 cm Ø große Springform ausfetten. Schokolade hacken, Eier trennen und Eiweiß mit 30 g Zucker zu Eischnee schlagen.

120 g Zucker, Mehl, Salz, Backpulver und Kakao in einer Schüssel vermengen.

Gegarte Rote Bete mit kaltem Wasser abschrecken, schälen und reiben.

Schokolade im Wasserbad auflösen. Butter in Stückchen dazu geben und auflösen. Erst Ei­gelb und dann Rote Bete unterheben. Masse unter die trockenen Zutaten mischen und zum Schluss den Einschnee unterheben.

Teig in die Form geben und im Ofen auf mittlerer Schiene 40–50 Min. backen. Kurz vor Ende der Backzeit mit einem Stäbchen in die Kuchenmitte piksen um zu testen, ob der Kuchen innen gar ist. Wenn kein Teig am Stäbchen hängen bleibt, ist der Kuchen fertig.

Kuchen aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen.

Kurz vor dem Servieren mit Rote-Bete Puder bestreuen und mit frisch geschlagener Sahne genießen.

Info: Das erdige Aroma der Roten Bete kommt bei der Zubereitung im Backofen besonders gut zur Geltung.

Mehr über Weiße, Gelbe und Rote Bete

Bunte Rüben mit Potentzial