Alte Schweinerasse Mangalitza

Johann Strauß hat dem fettreichen Wollschwein in seiner Operette „Der Zigeunerbaron“ 1885 ein Denkmal gesetzt: „Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh, ist Schweinespeck“, singt Schweinezüchter Zsupán. Die Operette hat überlebt, das Mangalitza-Schwein ist am Aussterben.

Glücksschwein oder armes Schwein? Das fragt sich so mancher Beobachter der heute vorherrschenden „industriellen“ Schweinehaltung. Dabei ist das Schwein, das wir schon seit Jahrtausenden als Haustier halten, ein faszinierendes Geschöpf – sozial, reinlich und erstaunlich klug. Wie das Mangalitza Schwein, das auch gerne als Wollschwein bezeichnet wird. Johann Strauß II. hat dem fettreichen Wollschwein in seiner Operette „Der Zigeunerbaron“ 1885 ein Denkmal gesetzt: „Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh, ist Schweinespeck …“, singt Schweinezüchter Zsupán.

Wollschweine soll es schon im 9. Jahrhundert gegeben haben, die wiederum aus südosteuropäischen Urschweinen hervorgegangen sind. Aus dem Wollschwein entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte im südosteuropäischen Raum (Ungarn, Serbien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien) das Mangalitza, vom Ursprung her eine der ältesten Schweinerassen Europas. Schon im 13. Jahrhundert beschreiben ungarische Quellen ein „wolliges, fettes Schwein“. Doch das Wollschwein, wie wir es heute kennen, dürfte erst Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sein. 1927 wird das Mangalitza offiziell als Rasse anerkannt. Der Name Mangalitza leitet sich aus dem serbokroatischen Wort „mangulica“ ab, was soviel wie „wird schnell fett“ bedeutet. Im ungarischen übersetzt man Mangalitza mit „walzenförmig“. Ursprünglich gab es vier Farbvarianten der Mangalitza: Blonde, Rote, Schwarze und Schwalbenbäuchige Mangalitza. Die Schwarzen Mangalitzas sind ausgestorben.

Das Blonde Mangalitza geht auf das serbische Sumadija-Schwein zurück, welches mit dem ungarischen Bakonyer-Schwein und dem Szalontaer-Schwein gekreuzt wurde. Das Rote Mangalitza, kleiner als das Blonde, ist eine Kreuzung des Blonden mit dem kroatischen Syrmien-Schwein. Das Schwalbenbäuchige kommt ebenfalls aus dieser Zuchtrichtung, ist aber fast ganz schwarz, mit Ausnahme des unteren Halsbereichs und der unteren Bauchseite. Das vollständig Schwarze Mangalitza gilt wie schon erwähnt als ausgestorben.

 

Schwein der Steppe

Um 1900 lebten mehr als 6,5 Millionen Wollschweine in den Steppen Ungarns und Rumäniens. Die großen Herden, die oft über Hunderte Kilometer bis nach Wien (in die großen Schlachthöfe) getrieben wurden, prägten lange Zeit das Landschaftsbild der Region. Um 1950 war das Schwein in halb Europa vertreten und durch die Menge und Qualität seines Specks sehr beliebt. Schinken und Salami vom Mangalitza galten als Delikatesse. In den 1960er Jahren begann beim Mangalitza, wie bei allen „fetten“ europäischen Landrassen der Niedergang, bis in den 80er Jahren nur noch wenige Hundert Exemplare übrig waren.

Kuscheln mit den Kleinen

Das Besondere am Mangalitza ist sein dichtes, wolliges Haarkleid, das ihm auch seinen Beinamen „Wollschwein“ eintrug. Es schützt sie vor Kälte und Sonnenbrand. Die Borsten waren früher sogar als Stopfmaterial beim Sattler sehr begehrt. Auch wurden sie für Hutdekorationen und zur Herstellung von Rasierpinseln benutzt. Im Frühjahr werfen die Schweine ihr Winterfell ab – natürlich nur in Freilandhaltung – und ersetzen es durch ein etwas weicheres, kürzeres Sommerfell. Es hat beim Blonden Mangalitza eine weißlich-gelbe, manchmal auch gräuliche und gelblich-rote Farbe. Darunter scheint dunkle Haut durch. Dunkel gefärbt sind auch Augenlider, Rüssel und Klauen.

Das Wollschwein ist ein besonders widerstandsfähiges, robustes und sehr bewegliches Schwein. Auch wegen seiner kräftigen Klauen und Beine kann es sich in jedem Gelände bewegen und eignet sich besonders zur Weidehaltung auf kargen Böden. Für die industrielle Massentierhaltung ist das Schwein – wie alle alten Rassen - ungeeignet, verliert, wenn man es ihm antut, die Lust sich zu paaren. Doch in der freien Natur und im großen Familienverband, fühlt sich das Schwein sauwohl.  Die Ferkel – pro Wurf drei bis sechs - sehen ein wenig wie Wildschweinfrischlinge aus – längs gestreift – ein Indiz für die Ursprünglichkeit dieser Rasse. Interessant ist auch ihr Sozialverhalten zu beobachten. Bei starker Kälte legen sich beide Elternteile Bauch an Bauch und nehmen ihre Ferkel in die wärmende Mitte. Die Schweine sind äußerst gutmütig und sozialkompatibel, selbst die Eber gelten als wenig aggressiv. Die Sauen werden um 170, die Eber um 250 Kilo schwer.

Auf der Roten Liste der vom aussterben bedrohten Nutztierrassen, gibt es für das Mangalitza Schwein doch Hoffnung. Aufgrund der exzellenten Fleischqualität (das dunkle Fleisch hat einen leicht nussartigen Geschmack) sind die Bestände in Deutschland, Österreich und der Schweiz leicht und in Ungarn, Rumänien und anderen südosteuropäischen Ländern wieder etwas stärker gestiegen. Hat sich doch der exzellent gute Geschmack des Wollschweins mittlerweile bei Feinschmeckern auf der ganzen Welt herumgesprochen. Von Wien bis New York wird das relativ fette aber geschmacksintensive Fleisch in der Edelgastronomie nachgefragt und angeboten. Vegetarier mögen es bedauern aber erst durch die steigende Nachfrage nach Qualitätsfleisch ist das Überleben der Wollschweine (auch außerhalb von Tierparks) für die Zukunft gesichert. Wer es sich mal persönlich anschauen möchte: Im Nutztierpark Arche Warder in Schleswig-Holstein leben ein paar Exemplare.