Haben unsere traditionellen Nutztiere noch eine Zukunft?

Deutschland ist einer der größten Fleischproduzenten Europas. Unter dieser „Hochleistungsproduktion“ hat die Vielfalt alter und traditioneller Nutztierrassen in den letzten Jahrzehnten stetig abgenommen. Nur wenige Hochleistungsrassen decken rund 98 Prozent des hohen Bedarfs an günstigem Fleisch aus der Turbomast ab. Auch der Wunsch der Konsumenten nach magerem Fleisch hat dem entsprechend sukzessive das robuste Vieh verdrängt. Eine Entwicklung, die unsere kulturelle und kulinarische Vielfalt beschneidet. Nur ein Beispiel aus Schleswig-Holstein: Weideten in den 1930er Jahren noch rund 80.000 Angler Rinder zwischen der Schlei und der Flensburger Förde, so ist der Bestand der schleswig-holsteinischen Rinderrasse heute auf rund 400 Tiere geschrumpft. Auch bei Schweinen, Schafen, Ziegen, Hühner, Puten und Gänsen herrscht Einfalt statt Vielfalt. Dabei eigenen sich die alten Rassen häufig im besonderen Maße für die nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft und kommen zudem erheblich besser mit energieärmerem Futter zurecht. Ist es nicht eine besondere menschliche Kulturleistung, dass sich in den unterschiedlichsten Gebieten jeweils die ideale Rasse angesiedelt hat, in der sich wiederum etwas von unserer kulturellen Identität widerspiegelt?

„Liebevolle Diven“: Footshooting im Tierpark Arche Warder; Foto: Ingo Wandmacher

Immerhin hat ein Umdenken eingesetzt. Die Population einiger alter Rassen ist in den letzten Jahren wieder gestiegen. Das hat auch mit einer gezielten Nachfrage des Verbrauchers und dem Wiedererwachen der regional geprägten Küche zu tun. Die meisten überzeugt der gute Geschmack. Was ist zu tun, um traditionelle Nutztiere nachhaltig vor dem Aussterben zu bewahren? Wir werden auf Nordische Esskultur alte Tierrassen vorstellen, wie Menschen und Initiativen, die sich für ihren Erhalt einsetzen. Das Motto einer erfolgreichen Kampagne könnte lauten: Esst, was Ihr schützen wollt!