Scharfe Stange gegen Winterdepression

Er ist der schärfste Vertreter seiner Familie und wird auch Scharfwurzel, Beißwurzel und Kren genannt. Die Rede ist von Meerrettich. Kein Rettich des Meeres aber ein „mehr“ an Rettich im Sinne eines größeren Rettichs. Andere leiten den Namen von „Mähre“ ab für Pferderettich. Viele kennen ihn nur noch aus Tuben und Gläsern. Schade eigentlich, denn frisch geriebener Meerrettich ist viel aromatischer und selbstverständlich auch gesünder als konservierter.

Die Rettichwurzel, verwandt mit Radieschen und Rübe, hat einen festen Platz im winterlichen Küchenkalender des norddeutschen Raumes. Ob zu Karpfen oder geräucherter Forelle, zu Wild, kaltem Braten oder gekochter Rinderbrust – Meerrettich gibt den Gerichten den besonderen Pfiff. Meerrettich kann aber auch zur Verfeinerung von Salaten und Soßen verwendet werden und natürlich für Gemüsegerichte.
 

Von Seefahrern geschätzt

Ursprünglich stammt Meerrettich aus Osteuropa. Schon im Mittelalter wurde er wegen seiner Heilkräfte geschätzt. Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich Meerrettich dann auch in der Küche durch.

Sehr begehrt war Meerrettich bei englischen und deutschen Seefahrern als Vitamin-C-Lieferant zur Vorbeugung gegen Skorbut, einer Krankheit, die bekanntlich auf einem Mangel an Vitamin C beruht und unter anderem zu Zahnfleischbluten führt.

Den scharfen und würzigen Geschmack verdankt Meerrettich seinem Gehalt an Senfölen, die erst beim Zerkleinern und Reiben gebildet werden. Die Öle wirken appetitanregend, verdauungsfördernd und regen die Gallensaftsekretion an. Meerrettich soll auch bei Gicht, Rheuma, Husten und Ischias (äußerlich angewendet) helfen. Er enthält die bakterienhemmenden und krebsvorbeugenden schwefelhaltigen Substanzen Allicin und Sinigrin, die auch im Knoblauch vorkommen. Reichlich Vitamine (B, C) und Mineralstoffe vervollständigen die gesunden Inhaltstoffe.

Geerntet werden die Wurzeln von Oktober bis April bei einer Länge von ca. 50 und einem Durchmesser von 4 bis 8 Zentimeter. Die Schale ist bräunlich, rau und faltig, das Fleisch weiß.

Beim Einkaufen sollten Sie darauf achten, dass die Wurzeln fest sind und keine weichen Stellen haben. In ein feuchtes Tuch gewickelt bleibt Meerrettich im Gemüsefach des Kühlschrankes viele Wochen frisch. Geriebenen Meerrettich möglichst gleich in die vorbereitete Speise geben – sie darf aber nicht mehr lange kochen, sonst verliert er an Geschmack und wird bitter - oder sofort mit etwas Zitronensaft beträufeln, damit er nicht braun anläuft. Wer’s gerne scharf mag kommt mit Meerrettich gesund und munter über den Winter.

Rezept

Apfel-Meerrettich-Creme

  • 3 EL fein geriebener frischer Meerrettich
  • 2 mittelgroße, säuerliche Äpfel
  • 2 EL Fleisch- oder Gemüsebrühe
  • 3 EL Sonnenblumenöl (oder nicht zu aromatisches Rapsöl)
  • 1 EL Weinessig
  • 1 TL Zucker, Salz

Meerrettich in die warme oder erwärmte Brühe (zum Beispiel vom Tafelspitz) einrühren und wieder erkalten lassen.

Öl tropfenweise zu einer angedickten Soße unterrühren.

Mit Essig, Zucker, Salz abschmecken.

Direkt vor dem Servieren die frisch geriebenen Äpfel zufügen.

Ein Hochgenuss zu jedem gekochtem Rindfleischgericht wie Tafelspitz. Schmeckt auch zu kaltem Bratenaufschnitt.