Rarität mit Biss: Ackerpille

Schon die Römer der Antike kannten und schätzten Kohl. Dennoch gilt gerade der Weißkohl als „urdeutsch“. Und tatsächlich gehört Deutschland zu den weltweit führenden Anbauländern. In Schleswig-Holstein, in Dithmarschen - bekanntlich Deutschlands „Kohlkammer“ - werden 80 Millionen Kohlköpfe jedes Jahr im Herbst geerntet: Rotkohl, Grünkohl, Wirsingkohl, und vor allem Weißkohl.

Der runde, abgeplattete oder zugespitzte Kopf des Weißkohls ist botanisch gesehen der gestauchte Spross der Pflanze. Er wird von mit einer Wachsschicht überzogenen, glatten und glänzenden Blättern gebildet und ist von weißlich grüner Farbe.

Seit einigen Jahren wächst auf nordfriesischer Scholle im Schatten von EU-genormten Kohlköpfen (Brassica oleracea) auch eine Weißkohlrarität heran: Die Ackerpille. Die abgeflachte Weißkohlsorte war schon im 16. Jahrhundert bekannt, im 18. Jahrhundert hatte sie ihre Blütezeit. Lange in Vergessenheit geraten, erfreut sie sich heute neuer Beliebtheit. Zu Recht: Geschmacklich überzeugt der Kohl durch einen feinen, subtilen mild-würzigen Kohlgeschmack. Bei der Zubereitung treten keine unangenehmen Gerüche auf und die Ackerpille ist selbst roh genossen leicht verdaulich. In die weiche Ackerpille kann man hineinbeißen wie in einem Apfel.

Außerdem ist der Weißkohl besonders gesund. Neben reichlich Vitamin C, dem Vitamin K und der Folsäure, den Spurenelementen Kalium, Calcium und Florid haben Wissenschaftler mehr als 49 weitere Substanzen im Weißkohl ausgemacht. Unter ihnen Antioxidantien, die die „freien Radikalen“ in unseren Zellen unschädlich machen sollen.
 

Bella Figura

Kein Wunder also, dass Weißkohl zum beliebtesten Gemüse in Deutschland gehört - günstig im Einkauf, gesund und in der Küche vielseitig einsetzbar.

Ob als Salat, Suppe, Eintopf oder als Blattgemüse – Weißkohl macht immer eine gute Figur, besonders wenn man mit der Ackerpille kocht. Vollends zum Gourmetkohl wird die Ackerpille als Mantel für zum Beispiel Fasan und Steinbutt. Wild, Fleisch und Fisch garen von Kohlblättern umhüllt und geschützt besonders saftig. Dafür werden die Kohlblätter in Salzwasser kurz blanchiert, kalt abgeschreckt, trocken getupft und mit einer Farce bestrichen. Danach umwickelt man das Fleisch/den Fisch mit den Kohlblättern und schiebt es in den Ofen.

Als anspruchsvoller Gourmetkohl schmeckt die Ackerpille nur frisch vom Feld. Lange gelagert werden mag sie im Gegensatz zu ihren neumodischen Verwandten gar nicht. Zum Glück geht die Ernte aber von September bis Dezember. Dann ist der flache Weißkohlkopf vor allem im Biohandel erhältlich.

Rezept

Winterlicher Ackerpillen-Eintopf

(für 4 Portionen)
 

Zutaten

1 Kohl ca. 1 kg
500 g Kartoffeln
1 Gemüsezwiebel
1,5 l Gemüsebrühe
Kümmel, Pfeffer, Salz, Olivenöl
 

Zubereitung

Strunk entfernen, in mundgerechte Stücke schneiden und waschen. Die Kartoffeln schälen, waschen und in Würfel schneiden. Zwiebel pellen und klein schneiden.

Kohl, Kartoffeln und Zwiebel in einem großen Topf mit Olivenöl andünsten und mit der Gemüsebrühe ablöschen. Das Gemüse sollte knapp bedeckt sein. Mit Kümmel, Salz und Pfeffer abschmecken.

Einmal aufkochen lassen und dann ca. 20 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen.

Tipp

Wenn keine Ackerpille zur Hand, nimmt man einen normalen Weißkohl.

Wer die Fleischeinlage vermisst, lässt klein geschnittene Kochwürste 15 Minuten mitkochen.