Rarität mit Biss: Quitte

Der Quittenbaum – eng verwandt mit Apfel und Birne – ist eine verkannte Schönheit: knorrig Stamm und Zweige, graubraun die Rinde, dunkelgrün und ledrig die Blätter. Zart und duftig sind nur die großen weißen oder rosa Blüten, die sich im Juni öffnen. Die reifen Herbstfrüchte täuschen den Ahnungslosen: Sie duften zwar so köstlich wie die Blüten, doch sind sie roh ungenießbar, erst gegart entwickeln sie ihr feines Aroma.

Die Heimat der Quitte (Cydonia oblonga) ist der östliche Teil von Kleinasien. Bereits in der Antike wurde sie im Mittelmeerraum kultiviert. Die Römer brachten sie dann über die Alpen nach Norden. Seit Jahrhunderten sind Quittenbäume auch in Norddeutschland, vor allem in Haus- und Bauerngärten beheimatet.

Symbol der Liebe & Fruchtbarkeit

Seit dem Altertum sind Quitten – wie der Apfel - bei vielen Völkern Symbol der Liebe und der Fruchtbarkeit. In einem deutschen Kräuterbuch des 16. Jahrhunderts heißt es, dass der Genuss von Quitten in der Schwangerschaft „sinnreiche und geschickte Kinder beschere“.

Als Pektin-Spender sind die kalorienarmen Früchte unübertroffen. Der Ballaststoff wirkt günstig auf den Cholesterinspiegel des Blutes, denn er bindet Gallensäure, so dass sich die Leber wieder dem Abbau von „überschüssigem“ Cholesterin widmen kann. Ein arabischer Gelehrter des 10. Jahrhunderts zum „Wellness-Effekt“ der Frucht kurz: „Quitten machen fröhlich“.

Ob man die aromatischere Apfelquitte oder die zartere Birnenquitte bevorzugt ist Geschmackssache. Ernten sollte man die Früchte in jedem Fall vor dem ersten Frost, auch wenn sie noch nicht ganz reif sind. Was man wissen sollte: Kleine Früchte schmecken besser als große. Zum Rohessen sind die Früchte zu hart: Sie haben zu viele Steinzellen im Fruchtfleisch. Werden Quitten aber zu Marmelade oder Gelee verarbeitet, entfalten sie ihr herrlich feinherbes, säuerliches Aroma. Übrigens: Das Wort „Marmelade“ kommt von „marmalo“, der portugiesischen Bezeichnung für Quittenmus. Unter Quittenfans ist das so genannte Quittenbrot beliebt, ein Quittenmus, das durch Trocknen haltbar gemacht wird. Zu Likör oder Bränden verarbeitet sind Quitten ein ganz besonderer Genuss. Man sollte die zitronenherben Früchte aber auf keinen Fall zu stark süßen. Sie passen gut in ein Lamm- und Kalbsragout, schmecken auch als Gratin oder als fein-säuerliches Kompott zu Wild und Geflügel. Quittenmus lässt sich zu Konfekt und Kuchen weiterverarbeiten. Die Härte der Frucht sagt übrigens nichts über ihren Reifegrad aus; wichtig ist allein der Duft. Aufgrund ihres intensiven Geruchs werden Quitten auch gerne als Duftspender verwendet. Nicht zuletzt ist der Quittenbaum im Herbst eine Augenweide.