Rarität mit Biss: Mandelkartoffel

Die sinnlich-sittliche Wirkung von Gelb, so empfand Goethe in seiner Farbenlehre, sei heiter und munter, warm und behaglich. Entsprechend ließ er seinen Speisesaal in der Farbe tünchen, sollte doch das Mahl der Stärkung wie der Erholung dienen. Auch manchem Gemüse haftet diese appetitliche Farbe an – so der Kartoffel. Gehört sie doch nachweislich zudem zu den ältesten angebauten Nutzpflanzen. Bereits 5.000 v.Chr. wurde in Südamerika das Nachtschattengewächs (Solanum tuberosum) angebaut, das durch Kolumbus seinen Weg nach Europa fand. Zunächst mit ihren kleinen weißen Blüten als exotische Zierpflanze in fürstliche Gärten. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie bei uns, unter protegierender Wirkung von Friedrich dem Großen, vollends akzeptiert. Oftmals diente sie zu dieser Zeit ärmeren Bevölkerungsschichten als billiger und nährstoffreicher Ersatz für teures Fleisch. Unter den rund 200 Kartoffelsorten, die heute in Deutschland zugelassen sind und deren faszinierende Geschmacksnuancen von cremig, buttrig, über würzig bis erdig variieren, gewinnen neben den Standardsorten neuerdings auch wieder alte und bunte Sorten an Bedeutung.

Handschmeichler Puikula

Zu ihnen gehört die delikate, kleine gelbe, festkochende Mandelkartoffel, auch liebevoll Puikula genannt. Sie stammt aus Finnland und zählt mit ihren 70 Jahren (1940 erstmalig angebaut) zu den „ältesten Damen“ unter ihresgleichen. Woher die kleine aber feine Kartoffel mit ihrem dunkelgelben Fleisch kam, weiß man nicht. Ihr Name leitet sich nicht, wie man vermuten könnte, aus einem mandelartigen Geschmack, sondern von ihrem Aussehen her ab: Die Knolle ist länglich oval, gekrümmt und mandelförmig. Ihre Fans nennen die kleine Knolle auch liebevoll „Handschmeichler“. Geerntet wird sie ab September, in reiner, aufwendiger Handarbeit. Die Ernteerträge sind gemessen mit „modernen“ Kartoffeln eher gering. Dafür entschädigt die Mandelkartoffel mit einem sehr cremigen, buttrigen Geschmack. In Skandinavien wird sie deshalb besonders gerne in der Spitzengastronomie eingesetzt. Eben eine Kartoffel für Feinschmecker.

Gemein mit anderen Sorten ist ihr hoher ernährungsphysiologischer Wert. Sie enthält 19 Prozent Kohlenhydrate, 0,2 Prozent Fett, und 0,8 Prozent Ballaststoffe. Nicht zu vergessen ist der reiche Gehalt an den Vitaminen B1, B2 und B6 - 200 g Kartoffeln decken den halben Tagesbedarf an Vitamin C. Kartoffelfans geben ihr die kulinarische Ehre, als mit Hingabe zubereitete Suppe das Menü einzuleiten. Gut geeignet ist sie auch als Salz-, Pell- oder Röstkartoffel – der buttrig-cremige Geschmack verleiht ihr die besondere Note. Im Kochbuch des Stadtkochs von Itzehoe Markus Lofft von 1778 stößt man auf ein Rezept für Kartoffelbrei, das der Mandelkartoffel wie auf dem Leib geschrieben ist: „Erdäpfeln kochen, ergänzen mit Rahm, Butter, Gewürzen, Rindfleischbrühe“. So waren schon damals die Zutaten entdeckt, die den Charakter der Mandelkartoffel unterstreichen. Auf alle Fälle sind sich die Gourmets einig: Die Puikula ist auf jede Art zubereitet eine Kartoffel mit Persönlichkeit.



Rezept: Mandelkartoffeln

  • 800 g Mandelkartoffeln
  • Butterschmalz
  • 40 g gehackte Mandeln
  • 6 Stiele Thymian
  • Meersalz

Kartoffeln waschen und in Salzwasser bissfest kochen.

Kartoffeln abgießen, mit kaltem Wasser abschrecken, abtropfen lassen und pellen.

Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Kartoffeln im ganzen bei mittlerer Hitze goldbraun braten. Salzen, gezupfte Thymianblättchen und die Mandeln 3 Minuten mitbraten.

Die kleine Feinschmeckerkartoffel passt zu jedem guten Stück Fleisch oder zu einem edlen Fisch. Muss aber nicht, auch vegetarische Begleiter lassen sie glänzen. Bekommt man sie früh geerntet, reicht es die Schale mit einer Wurzelbürste zu waschen, die Schale isst man einfach mit.