Rarität mit Biss: Große Grüne Reneklode

Bei der Eindeutschung ihres Namens ging die Poesie des Klangs leider verloren. Reine Claude, Königin von Frankreich (1599 – 1624) und Gattin von Franz I. ist die Namenspatronin der runden, je nach Sorte hell- oder rotvioletten, gelben oder grünen Spätsommerfrucht. Die Königin ließ Bäume der Reneklode, einer Edelpflaume, in den Gärten ihres Loire-Schlosses Blois pflanzen und verschiedene Sorten züchten. So auch die gelbgrüne Große Grüne Reneklode, die Königin unter den Renekloden, eine richtige Zuckerpflaume. Im 18. Jahrhundert wird sie im Fachbuch „Der teutsche Obstgärtner“ noch respektvoll „Große Königin Claudie“ genannt, bevor sich die profane Bezeichnung „Große Grüne Renklode“ durchsetzt. Am herausragenden Geschmack hat es nichts geändert. Das Fruchtfleisch lässt sich zwar etwas schwer vom Stein lösen, dafür hat es einen kräftigen süßen, sehr aromatischen Geschmack mit wenig Säure. Die kleinen bis mittelgroßen Früchte reifen Mitte August bis Mitte September.

Wie alle Pflaumenarten zur Familie der Rosengewächse gehörend ist die Reneklode (Prunus domestica) ursprünglich im Kaukasusgebiet beheimatet. Eine Wildform ist nicht bekannt. Als Kulturobst taucht die Pflanze im 15. Jahrhundert in Italien auf, wurde in der Renaissance in Frankreich eingeführt und kam von dort aus ins übrige Europa und nach Norddeutschland. Noch heute wachsen bei uns die meisten Renekloden in Hausgärten, während sie in Frankreich, Spanien und der Türkei erwerbsmäßig angebaut werden. Selbst in Großbritannien ist die Reneklode weit bekannter und beliebter als die bei uns geschätzte robuste Zwetsche. Dennoch hat sie auch im Norden wegen ihres süß-würzigen Aromas zahlreiche Liebhaber.

So schmeckt der Spätsommer

Die Reneklode schmeckt nicht nur köstlich, sondern ist auch gesund. Die kaliumreiche Frucht fördert zum Beispiel den Aufbau der Muskeln – wichtig für alle Freizeitsportler. Außerdem ist sie so saftig, dass sie den Durst stillt und aufgrund ihres hohen Zuckergehalts liefert sie rasch Energie.

Am besten schmeckt die Große Grüne Reneklode roh, jede andere Form des Verzehrs ist ein geringerer Genuss. Als Kompott verliert sie in jedem Fall, als Obstkuchenbelag ist sie zwar schmackhaft, aber wegen der Saftigkeit nicht unproblematisch. Manche scheuen nicht davor zurück, Marmelade aus ihr zu kochen oder Schnaps zu brennen.

Wer jetzt noch Sonne tanken möchte, sollte die „Königin Claudie“ unbedingt kosten – so schmeckt der späte Sommer.