Raritäten mit Biss: Mieze Schindler

Der Sommer ist da und für die meisten bedeutet dies auch herrliches Schlemmen frischer Erdbeeren, deren rote Früchte für alte und junge Schleckermäuler puren Genuss versprechen. „Strawberry fields forever“ huldigten schon die Beatles dem Früchtchen und „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, schrieb der französische Dichter François Villon und gedachte dabei durchaus ihrer (ihr zugeschriebenen) erotischen Wirkung. Dabei war sie ursprünglich in der christlichen Mythologie Maria geweiht und galt als Symbol der Keuschheit. So keusch und harmlos, wie die modernen auf  Massenertrag  getrimmten Sorten häufig schmecken. Da freut es doch die Liebhaber des Rosengewächses, dass vermehrt wieder alte, schmackhaftere Sorten angeboten werden. Wie die Mieze Schindler, die wohl zarteste Erdbeere der Welt. Die beliebte Gartenerdbeere (Fragraria  ananassa) überlebte in norddeutschen Hausgärten und vor allem in den Schrebergärten der DDR. 

Der Sommer ist da und für die meisten bedeutet dies auch herrliches Schlemmen
frischer Erdbeeren, deren rote Früchte für alte und junge Schleckermäuler puren
Genuss versprechen. „Strawberry fields forever“ huldigten schon die Beatles
dem Früchtchen und „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, schrieb der
französische Dichter François Villon und gedachte dabei durchaus ihrer (ihr
zugeschriebenen) erotischen Wirkung. Dabei war sie ursprünglich in der
christlichen Mythologie Maria geweiht und galt als Symbol der Keuschheit. So
keusch und harmlos, wie die modernen auf  Massenertrag  getrimmten Sorten
häufig schmecken. Da freut es doch die Liebhaber des Rosengewächses, dass
vermehrt wieder alte, schmackhaftere Sorten angeboten werden. Wie die Mieze
Schindler, die wohl zarteste Erdbeere der Welt. Die beliebte Gartenerdbeere
(Fragraria  ananassa) überlebte in norddeutschen Hausgärten und vor allem in
den Schrebergärten der DDR.

 

Liebeserklärung an seine Frau

Der Geheimrat Professor Otto Schindler aus Dresden züchtete sie 1925 aus den Sorten „Lucida Perfecta“ und „Johannes Müller“ und benannte sie nach seiner geliebten Frau Maria, die er Mieze nannte. Die Ur-Gartenerdbeere war übrigens vermutlich eine zufällige Kreuzung zwischen der südamerikanischen Chile-Erdbeere und der Scharlacherdbeere aus Nordamerika und nicht, wie oft beschrieben, aus der Walderdbeere. Anfang des 18. Jahrhunderts soll sie Amédée Frezier, ein französischer Marine-Offizier, mit nach Europa gebracht haben. Dabei ist das kleine Früchtchen genau genommen auch keine Beere, sondern eine Sammelnuss. Die Blätter der Mieze sind dunkelgrün gefärbt und tragen mittelgroßen Früchte in kleiner Anzahl. Moderne Hochleistungserdbeeren bringen 20 bis 25-fachen Ertrag. Doch das macht die Mieze Schindler doppelt wett: durch ihren unvergleichlichen süß-aromatischen Geschmack, der an die Walderdbeere erinnert und in den modernen Sorten nicht mehr zu finden ist.

Mit ihrer karminroten Farbe ist sie übrigens auch eine Augenweide für jeden Garten. Auch Wissenschaftler empfehlen sie: aufgrund ihres hohen Gehalts an Vitamin C sorgen sie dafür, dass wir das Eisen in den Beeren gut nutzen können. Auch in anderer Hinsicht können andere Früchte ihr oft, im wahrsten Sinne des Wortes, das Wasser nicht reichen, denn sie bestehen zu 90 Prozent aus dem Element (was gute Stimmung verbreitet, ohne die Hüften zu verbreitern). Die Mieze ist zart, feingliederig und zerbrechlich und möchte sanft und pur genossen werden. Für Kuchen, Kompott und Konfitüre ist sich das „Aromawunder“ viel zu schade.

Die Erdbeere wächst in Hausgärten, kann als Pflanze aber über den Fachhandel und als Frucht bei einigen auf alte Sorten spezialisierte Biobauern bezogen werden.