Weiße, Gelbe und Rote Bete

Die Rote Rübe hat einst, auch unter ihrem Tarnnamen Rote Bete, ganze Generationen gequält. Die Altvorderen, die die mageren Winter - die ja auch Rübenwinter hießen - der Kriegs- und Nachkriegszeit erlebten, erzählen noch heute mit bitterem Geschmack im Mund: Rote Rüben gab’s tagein, tagaus als Suppe, als Salat, als Gemüse, in Scheiben und in Würfeln - kein Wunder dass vielen der Appetit auf diese Abart der Gemeinen Runkelrübe vergangen ist.

Bei den Nordlichtern war es sogar noch schlimmer, kannten sie doch Rote Bete nur sauer. Sauer eingelegt im Heringssalat, zum Labskaus oder als Beilage zu Bratkartoffeln.

Fruchtig-frische Köstlichkeit

Dabei kennt der Europäer die Wurzelknolle der Beta vulgaris, die der Farbstoff Anthozyan so rot färbt, schon lange - die Wildform ist seit 4.000 Jahren bekannt. Theophrastos und Plinius berichteten, dass die Rote Bete – sie kam aus Sizilien – bei den Griechen und Römern sehr beliebt war. Mit den Römern kam das Gemüse erstmals auch nach Mitteleuropa. Karl der Große ordnete ihren Anbau an. Besonders in Klostergärten wurde die Rübe kultiviert - und das keineswegs nur, weil sie eine anregende, appetitsteigernde Wirkung hat und ihr Saft so schön färbt. Nein, die slawische Küche beweist mit ihrem Borschtsch, dass sie auch gut schmeckt. Süd- und osteuropäischen Einflüssen und Gourmetköchen ist es zu verdanken, dass heutzutage die Rübe wieder zu kulinarischen Ehren kommt. Richtig zubereitet ist die Rote Rübe nämlich eine fruchtig-frische Köstlichkeit mit viel Genuss-Potenzial: vom Risotto bis zum Eis. Überraschen Sie Ihre Gäste doch einmal mit einem Rote-Bete-Carpaccio. Die Zubereitung ist ganz einfach: Rote Bete mit etwas Kümmel al dente kochen, schälen, – Sie dürfen ruhig Einweghandschuhe dabei verwenden, färbt sie doch stark – dünne Scheiben aufschneiden, fächerförmig anrichten und mit einer Vinaigrette aus (gutem) Apfelessig, Traubenkernöl, Salz, Pfeffer beträufeln. Darüber streuen Sie geröstete Pinienkerne und geriebenen Parmesan oder Blauschimmelkäse (ein wunderbarer Kontrast zur fruchtigen Bete) – ein Gedicht! So wie die gelben und weißen Verwandten der Roten Bete. Der lang gehütete Küchenschatz früherer Zeiten wird langsam gehoben und wieder angeboten. Die weißen und gelben Kugeln schmecken angenehm fruchtig und sind süßer als die roten.

Außerdem sind alle drei Arten gesund: sie stärken die Nerven, helfen bei der Blutbildung und -verbesserung und sorgen für eine gute Verdauung. Durch ihren antioxidativ wirksamen Farbstoff, die sogenannten Betalaine beugen sie Gefäßablagerungen vor, mildern Entzündungen und schützen die Zellen. Nach neuesten Erkenntnissen sollen sie sogar den Alkoholspiegel im Blut senken. Man sollte sich aber nicht darauf verlassen. Unverfänglicher ist da der Volksmund, nach dem der Genuss der Rübe dem Schwachen Kraft und dem Schüchternen Sicherheit verleiht.

Zum Rezept: Rote-Bete-Carpaccio (für 4 Personen)