Rarität mit Biss: Blauer Schwede

Kolumbus brachte das Nachtschattengewächs, das die Indios im Andengebiet bis in eine Höhe von 4000 Meter anbauten, nach Europa. Doch hier galt die Kartoffel (Solanum tuberosum) lange Zeit als Kuriosum unter den Gartenpflanzen. Erst angesichts der großen Hungersnot im 18. Jahrhundert überwand die Bevölkerung ihre Skepsis gegenüber der bis dahin als giftig verdächtigten Knolle.

Die Kartoffel ist, obwohl sie zu 77 Prozent aus Wasser besteht, ein sehr nahrhaftes Lebensmittel: Sie enthält 19 Prozent Kohlenhydrate und ist reich an B-Vitaminen. Auch beim Vitamin C decken 200 g Kartoffeln den halben Tagesbedarf. Zudem zählt sie zu den kaliumreichsten Nahrungsmitteln und enthält wichtige Spurenelemente wie Magnesium, Natrium, Kupfer, Mangan, Fluor, Eisen und Jod.

Wunderbar cremig

Obwohl es unzählige Sorten gibt, werden nur wenige im großen Stil angebaut – Alltagskartoffeln. Nach Spezialitäten, schmackhaften (häufig alten) Sorten muss man länger suchen. Doch die Mühe lohnt sich. Wie beim Blauen Schweden, 2006 zur „Kartoffel des Jahres“ gewählt. Die sehr alte Kartoffelsorte mit blauer Schale und blau-weiß marmoriertem Fleisch hat einen wunderbar cremigen Geschmack. Die rundlich-ovale Knolle wird auch Blue Congo genannt und stammt ursprünglich aus Südamerika. Über Großbritannien kam sie nach Skandinavien (dort wird sie seit ca. 1880 angebaut) und von dort nach Deutschland. Für die bläuliche Färbung ist das wasserlösliche Anthocyane verantwortlich. Der Stoff färbt nicht nur gut, er soll auch eine hohe antioxidative (krebsvorbeugende) Wirkung haben. Der Pflanzenstoff hat selbst keinen Eigengeschmack.

Hermanns Blaue

Im Aussehen und Geschmack fast nicht zu unterscheiden vom Blauen Schweden ist Hermanns Blaue. Über die Geschichte dieser alten Regionalsorte weiß man kaum etwas. Die Knolle ist noch fester und hat einen leicht fruchtigen Geschmack. Die Schale ist glatter, was darauf hinweist, dass es sich um eine jüngere Sorte (unter 100 Jahre) handelt.

Beide Sorten bringen ihren delikaten Geschmack als Pellkartoffel, Gratin und Kartoffelsalat gut zur Geltung. Probieren Sie doch mal einen Kartoffelsalat mit Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Kresse und Sauerampfer. Mit lauwarmer Gemüsebrühe übergießen, mit Olivenöl, Balsamico, Salz, und Pfeffer abschmecken und einige Stunden ziehen lassen. Der Kartoffelsalat schmeckt nicht nur gut – solo oder zu Fisch und Fleisch – er ist auch leicht und der farbliche Kontrast erfreut das Auge. Wie bei einem Kartoffelpüree vom Blauen Schweden oder Hermanns Blaue – geschmacklich kaum zu überbieten.

Rezept: Blaues Kartoffelpüree

für 4 Personen

Zutaten

1 kg blaue Kartoffeln

3 EL Olivenöl, fruchtig

75 g Butter

Muskat, frisch gerieben

Salz, Pfeffer

Zubereitung

Die geschälten Kartoffeln in Wasser weich aber nicht matschig kochen, gut abtropfen.

Die Kartoffeln zerstampfen. Olivenöl, Butter und Gewürze untermischen und gut durchrühren, sofort servieren.

Tipp

Pürees immer mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken oder durch eine Kartoffelpresse drücken. Keine Küchenmaschine oder Mixer verwenden, da sonst das Püree klebrig wird.

Besonders fein schmeckt ein Püree aus Kartoffeln, Möhren und Sellerie. Einfach zusammen in gleich große Stücke geschnitten kochen und wie oben beschrieben weiter zubereiten.