Rauhwolliges Pommersches Landschaf

Das Rauwollige Pommersche Landschaf ist eine sehr alte Schafrasse. Schon im 13. Jahrhundert weidete das Schaf in Schlesien. Von dort breitete es sich nach Polen, Preußen und Mecklenburg aus. In Pommern war es über lange Zeit das beliebteste Schaf. Vor allem weil es allen widrigen Witterungen wie Regen, Nässe und kaltem Wind trotzte und seine grobe Wolle für warme Kleidung gut geeignet war.

Das hornlose, mittelgroße Schaf mit dem schmalen Körper und den typischen langen, leicht hängende Ohren, wehrte erfolgreich alle Kreuzungsversuche mit anderen Schafrassen ab, die auf  feinere Wolle und mehr Fleisch abzielten. Das graue bis blaugraue Pommernschaf blieb wie es war. Die kleinbäuerlichen Schafhalter an der Ostsee hatten damit auch lange keine Probleme, denn das Pommernschaf ist genügsam, für die Haltung in kleinen Gruppen gut geeignet und an das raue Ostseeklima angepasst.

Die Natur war mit dem Schaf im Reinen, aber der Mensch irgendwann nicht mehr. Der Trend zu mehr Fleisch auf den Rippen und feinerer Wolle (die feine Wolle des Merinoschafs brachte viermal soviel Geld) machte das Pommernschaf unpopulär. Von einst 210.000 (1912) auf 46 Mutterschafe (1982) sank die Population in Deutschland. Die UNO setzte die alte Landrasse auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Zum Glück nahmen sich engagierte Züchter in den 80er und 90er Jahren dem Schaf an und sicherten den Fortbestand der Rasse. Heute genießt das Schaf besonders bei Haltern mit kleinen Beständen wieder große Wertschätzung, bei denen der kulinarische Genuss, die Wollqualität und die Robustheit im Vordergrund stehen.

Bundesweit soll es wieder einige tausend Tiere geben. An der Ostsee sind sie vor allem als Landschaftspfleger im Einsatz, gelegentlich sieht man auch einige Exemplare mit Wanderschäfern durch die Lande ziehen.

Fleisch und Wolle von bester Qualität

Das Fleisch ist gesund, weil relativ mager, enthält viele B-Vitamine und Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Calcium und Eisen. Der durchschnittliche Cholesteringehalt ist vergleichbar mit Rindfleisch und Geflügel.

Kulinarisch ist das Pommernschaf eine Offenbarung:  Es ist - grobfaseriger und magerer als die handelsüblichen Fleischschafrassen - mild und zart, aromatisch und saftig und verfügt über eine leichte Wildnote. Am besten schmeckt das Fleisch von sechs bis neun Monate alten Lämmern.

Wer auf das Fleisch verzichten möchte, erfreue sich an einem wärmenden Kleidungsstück aus der in sämtlichen Grautönen vorkommenden Wolle. Von Hellgrau bis Schwarzgrau ist alles vertreten. Zwischen drei und fünf Kilo Wolle gibt ein Pommersches Landschaf im Jahr. Ihre Wolle ist nicht so fein wie von Merinoschafen, dafür dringt aber auch kein Regentropfen ein, sie perlen einfach am mischwolligen Schaf ab.  Ihre Wolle hat sich optimal dem rauen Ostseeklima angepasst. Das Vlies mischt kurze, mittellange und lange Haare. Dadurch wird der Träger der Wolle entweder gewärmt oder gekühlt, je nach Jahreszeit und Erfordernis. Auf jeden Fall ist man immer gut geschützt. Dies gilt für die Schafe wie für uns Menschen.