Warme Nordsee sorgt für niedrige Preise

Krabbenfreunde dürfen sich über sinkende Preise freuen. Die Krabbensaison hat in diesem Jahr deutlich früher als üblich begonnen und für niedrige Preise gesorgt. In diesem Jahr ist der Bestand vor der niederländischen Küste bereits im Juni gestiegen, teilte der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer Philipp Oberdörffer mit. Normalerweise sorgt eine neue Krabbengeneration erst ab Spätsommer für volle Netze.

Dadurch sanken die Erzeugerpreise von zuletzt rund 8 Euro für ein Kilo Krabben auf rund 3,50 Euro. Die niedrigeren Preise kommen bei den Verbrauchern üblicherweise allerdings erst zeitlich versetzt an. Krabbenbrötchen dürften in den kommenden Wochen deutlich günstiger werden. Bei der Butjadinger Fischereigenossenschaft kostet ein Brötchen mit 100 Gramm Krabbenfleisch derzeit 6 Euro, vor zwei Wochen waren es 50 Cent mehr.

2017 hatten die deutschen Krabbenfischer in den ersten sechs Monaten nur 1835 Tonnen angelandet. Zwei Jahre zuvor waren es fast doppelt so viele gewesen.

Die Nordseegarnele schwankt in ihrem Bestand sehr stark. In den vergangenen zwei Jahren lagen die Fangmengen nach Angaben von Oberdörffer insgesamt 40 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Schuld daran war vor allem der Wittling, eine Fischart aus der Familie der Dorsche, der viele junge Garnelen gefressen hatte. Das hatte zum Teil zu sehr hohen Preisen für die Verbraucher geführt: Ein Krabbenbrötchen kostete an den Hamburger Landungsbrücken im vergangenen Jahr bis zu 11,50 Euro.

Als eine Ursache für die verfrühte Hauptfangzeit vermutete Oberdörffer eine erhöhte Wassertemperatur der Nordsee. "Außerdem gibt es im Moment wenige Wittlinge", sagte er. Nach dem Fangstart in den Niederlanden beginne nun die Saison weiter nördlich, zunächst vor der niedersächsischen Küste, anschließend vor Schleswig-Holstein und Dänemark. Dort würden die Fischer allerdings jetzt schon unter den gesunkenen Preisen leiden, die von den hohen Fangmengen vor den Niederlanden bestimmt werden. Wie sich die Krabbenfischerei bis zum Ende des Jahres entwickeln werde, könne niemand vorhersagen, sagte Oberdörffer. Was den Verbraucher freut, ärgert den Fischer. Der „Krabbenmarkt“ ist wie die Nordsee: rau.

Kleine Kulturgeschichte der Krabbe

Eigentlich ist die Krabbe ja gar keine Krabbe, sondern ein Kurzschwanzkrebs. Dennoch hat sich der Name „Krabbe“ gerade bei den Binnenländern eingebürgert. An der Küste kennt man auch noch die Bezeichnungen „Porren“, „Kraut“ und „Granat“ für den kleinen fünf bis acht Zentimeter großen Krebs. Die Bezeichnung Granat leitet sich aus dem niederländischen „Gheenaert“ ab, was nichts weiter als „Barthaare“ heißt und auf die langen haardünnen Fühler der Garnele hinweist.

Gefangen werden die nachtaktiven Krabben bevorzugt nach Einbruch der Dunkelheit in einigen Metern Tiefe mit Hilfe von Netzen, die an einer langen Leine über den Boden geschleift werden. Die Arbeit ist, wie in früheren Zeiten, schwere (Männer-)Arbeit. Wenn die Kutterfischer Glück haben, ziehen sie Netze voller kostbarer Garnelen aus dem schlickigen Wattenmeer. Doch nicht immer sind die Netze gut gefüllt. Manchmal bleibt den Fischern nur die gute Meeresbrise. Frisch gefangen sieht die Krabbe gelblich bis graubraun aus und erhält erst durch das Kochen, was heute gleich auf dem Schiff erfolgt, ihre typische blanke, rosa schimmernde Färbung.

Die kleinen gepanzerten Wattenmeerbewohner der Nordsee erfreuten sich schon immer großer Beliebtheit. In früheren Zeiten stiegen im September und Oktober die Frauen an der Küste bei Ebbe in die Priele, um mit einer Art Käscher nach Krabben zu fischen. Vollständig bekleidet standen die Frauen bis zur Hüfte im kalten Wasser. Am Strand wurden die Krabben gleich in einem großen Kessel mit Meerwasser gekocht und auf Laken zum Trocknen ausgebreitet. Am Abend machte sich dann die ganze Familie ans Krabbenpulen. Zur Belohnung für die anstrengende Arbeit wurden die Krabben gleich verspeist: pur, als Einlage in einer Suppe oder als eine Art Frikadelle aus Krabbenfleisch, Paniermehl, Eiern und Gewürzen.

Das Auspulen ist gar nicht so schwer, wie der Binnenländer denken könnte. Am besten nimmt man den Kopf der Krabbe zwischen Zeigefinger und Daumen der linken Hand, während Zeigefinger und Daumen der rechten vorsichtig die Krabbe greift und sie leicht kurz hinter dem Kopf dreht und zieht – schon löst sich das leckere Garnelenfleisch aus der Schale. Ob Sie die Krabben nun mit Bier, wie es die Küstenbewohner gerne tun, oder mit Weißwein oder mit Champagner (die Sylter Variante) herunterspülen, bleibt Ihrem persönlichem Geschmack überlassen. Doch seien Sie beim Verzehr zurückhaltend, nicht maßlos – denn Krabben gelten wie Austern als Aphrodisiakum. Vielleicht sind sie deshalb so beliebt.