Eine typische Weide mit Galloway im unserem Norden. Fotografie: H. Ingwersen | © H. Ingwersen

Galloways erobern den Norden

Die kleinen robusten und sehr friedfertigen Rinder mit dem langen, weichen, welligen Haar und den dichten wärmenden Unterhaaren stammen ursprünglich aus der Region Galloway im Südwesten Schottlands. Doch seit ein paar Jahren erobern sie auch immer mehr den Norden.

Im Gegensatz zu den Highland Cattles, die den Galloways ziemlich ähnlich sehen, haben die Galloway–Rinder keine Hörner. Zudem handelt es sich bei dieser Rasse um eine kleine Rasse, bei der die Kühe eine Widerristhöhe von durchschnittlich 124 Zentimeter und die Bullen eine Widerristhöhe von 136 Zentimeter erreichen. Zum Vergleich: Unsere viel bekannteren Schwarzbunten erreichen eine Widerristhöhe von 140 Zentimeter bzw. 152 Zentimeter.

Ausgewachsene Kühe und Bullen erreichen ein Gewicht von 600-700 Kilogramm bzw. 1000-1200 Kilogramm. Dagegen sind die kleinen Galloways mit ihren 600 bzw. 900 Kilogramm richtige Leichtgewichte.

Landschaftspfleger aus Schottland

Vereinzelt kamen die Galloways schon Mitte des 19. Jahrhunderts in Norddeutschland vor. Etabliert haben sich diese Rinder aber erst seit gut 30 Jahren. Ihre Population hat dermaßen zugenommen, dass sie in der Fleischrinderzucht ein nicht mehr wegzudenkender wirtschaftlicher Faktor geworden sind. Auch sind Galloways zuerst in Schleswig-Holstein zur Landschaftspflege von Stilllegungs- und Naturschutzflächen eingesetzt worden. Sie ernähren sich vom Gras auf der Weide, aber auch von aufkommenden Gebüsch. So schaffen sie Licht und Platz für seltene Pflanzen und andere Tiere und helfen Weiden und Naturschutzgebiete vor einseitigem und ungewolltem Bewuchs zu bewahren. Sie nutzen Grenzstandorte, düngen Brachland, weiden Pferdewiesen nach und pflegen vor allem Naturschutzgebiete.

Einwanderer

Im Jahre 1970 hatte der Forstdirektor Heinrich Wilhelm Barfod des Forstamtes Neumünster versucht die offenen Brachflächen in seinem Revier mit Schafen und Shetlandponys von unerwünschtem Bewuchs frei zu halten. Nachdem dieses Experiment scheiterte, da den Schafen und Ponys die Binsen und Disteln nicht so recht schmecken wollten, versuchte Barfod es mit der maschinellen Pflege der Landschaft. Diese erwies sich jedoch als viel zu kostenaufwendig und bereinigte mehr, als der Landschaft gut tat.

Eines Tages las der Forstdirektor von einer schottischen Rinderrasse, die in ihrer Heimat seit einigen hundert Jahren hauptsächlich dem Zweck dient, die verwildernden Schafweiden, die auf den eher kargen Böden in den Hügeln und Schluchten des Landes liegen, in bestmöglichem Zustand zu halten. Die Schafzucht war damals die Haupterwerbsgrundlage der Bauern.

Barfod stand in Kontakt mit einem Fuhrunternehmer und Aberdeen-Angus-Züchter aus Hessen, Helmut Schornstein. Er fragte diesen, wie er denn wohl in den Besitz der angeblich so friedlichen und genügsamen Galloways kommen könne. Daraufhin brachte Schornstein 1973 die ersten acht Galloways aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland. Vier von diesen Tieren bekam Barfod zu sich nach Schleswig-Holstein. In Norddeutschland gab es zwar schon im 19. Jahrhundert vereinzelt Galloway-Rinder, doch galten Heinrich Wilhelm Barfod und Helmut Schornstein als die Wegbereiter dieser für Deutschland wiederentdeckten Rinderrasse.

Bio- und Naturschutzrind

Als Robustrinder sind sie erste Wahl: Denn sie leben in Familienverbänden, weiden ganzjährig draußen, möglichst ohne zusätzliches Futter, und bringen ihre Kälber dort allein zur Welt. Da sie oft schon bei Temperaturen die noch im Minusbereich liegen kalben, ist es Witterungsbedingt manchmal unerlässlich, ihnen eine Zufütterung durch Heu und Rübenschnitzel anzubieten. Denn Kalben und säugen verbraucht viel Energie. Trotz aller Robustheit nehmen die Tiere bei extremer Sonneneinstrahlung und Hitze auch gerne mal einen Unterstand in Anspruch.

Aber nicht zuletzt wegen ihrer Widerstandsfähigkeit und Anspruchslosigkeit, was Futter und Haltung angeht, haben sie ab Anfang der 1980er-Jahre in Deutschland eine stattliche Karriere als Hobby-, Bio- und Naturschutz-Rind gemacht.

Meist werden sie von Bio-Landwirten gehalten, die die Feinschmecker unter den Verbrauchern mit gesund gewachsenem, dunkelrotem, fein marmoriertem, sehr saftigem Fleisch mit leichter Wildnote beliefern.

Wenn die Tiere ihre Schlachtreife erreicht haben, werden sie mit einem Kugelschuss in ihrer gewohnten Umgebung betäubt. Erst dann werden sie zum Schlachthaus gefahren und mit einem gezielten Schnitt in die Halsschlagader getötet. Durch diese Methode entfällt der Transportweg für das lebende Tier, sowie der enorme Stress unter dem die Rinder bei den kommerziellen Schlachtverfahren stehen.

Das Fleisch

Das Fleisch des Galloway-Rindes lässt sich in folgende Kategorien einteilen. Die Unterschiede liegen in feinen Details:

Das Färsenfleisch stammt von den weiblichen Galloways, die noch nicht gekalbt haben. Das Fleisch ist sehr aromatisch, feinfaserig und leicht marmoriert.
Das Ochsenfleisch liefern entmannte Gallowaybullen. Es ist ebenfalls feinfaserig, von feinen Fettadern durchzogen und saftig.

Jungbullenfleisch stammt von geschlechtsreifen männlichen Galloways. Dieses Fleisch ist deutlich gefasert und sehr mager. Für Feinschmecker zu mager.

Jungkühe sind junge weibliche Galloways, die mindestens ein Kalb zur Welt gebracht haben. Ihr Fleisch hat mittelfeine Fasern und stärkere Fettadern.

Das beste Fleisch geben die Färsen, gefolgt vom Ochsenfleisch. Der Ochse braucht bis zur Schlachtreife mindestens drei Jahre und sein Fleisch ist marmorierter und damit noch schmackhafter, als das vom Bullen.

Da Galloways sich ganz natürlich ernähren und völlig auf die Zugabe von Kraftfutter und Silage verzichtet wird und sie sich das ganze Jahr über auf den Weiden frei bewegen können, haben diese Tiere Zeit in Ruhe auf natürliche Art und Weise heranzuwachsen. Ihr Fleisch enthält hohe Anteile von ungesättigten Fettsäuren, wodurch es für den Konsumenten sehr bekömmlich ist. Auch sind die Vitamine A, B, E, Biotin und Folsäure sowie die Mineralstoffe Calcium, Magnesium und Eisen in einem gesunden Verhältnis enthalten.

Längst ist die Haltung von Galloways kein von wenigen Menschen gepflegtes Hobby mehr, sondern es gibt inzwischen die stattliche Zahl von 60 eingetragen Galloway-Züchtern in Schleswig-Holstein.

Galloway-Züchter Ingwersen

Die Familie Ingwersen aus Bordesholm züchtet seit 25 Jahren Galloways. Die Tiere leben bei ihnen in einer natürlichen und gesunden Umgebung, da den Ingwersens das Tierwohl und die artgerechte Haltung sehr am Herzen liegen.

Durch ein Gespräch mit Horst Ingwersen habe ich erfahren, dass Grünland für Weidetiere sehr knapp und schwer zu bekommen ist. Er betonte auch, für die Nutzviehhaltung auf Weiden sei wichtig, dass diese etwas höher gelegen sind, damit sie nach einem niederschlagsreichen Jahr wie 2017 nicht völlig unter Wasser stehen und dann als Weiden kaum noch zu gebrauchen sind.

Bei den meisten Galloway-Züchtern gibt es frisch eingeschweißte Fleischpakete um die 12 Kilogramm zu erwerben. Bei der Familie Ingwersen enthalten sie in der Regel ein paar Rouladen, Gulasch, Roastbeef, Hackfleisch, einen Braten, Querrippe und Beinfleisch. Hohlknochen gibt es anbei dazu, Innereien wie Herz, Leber und Nieren sollten vorab bestellt werden.

Mehr erfahren Sie auf: galloway-ingwersen.de

Galloways in freier Wildbahn erleben

Wer die zotteligen Rinder einmal in „freier Wildbahn“ erleben möchte und zudem Lust auf einen Tag in der Natur verspürt, für den lohnt sich ein Ausflug in den Naturerlebnisraum Galloway im Norden von Schleswig.

Besucher erleben dort auf dem ca. 13 Hektar umfassenden Gelände unterschiedliche Lebensräume mit einer großen Pflanzen- und Tiervielfalt. Inmitten des Gebiets befindet sich eine große Weide, auf der man Galloways bei ihrer Arbeit als Landschaftspfleger beobachten können. Auch ein Wäldchen, Wiesen, Teiche, eine Obstwiese und ein Bach lassen den Besucher die Natur hautnah erleben.

Der Haupteingang des Naturerlebnisraums befindet sich am Ende der Sackgasse der Gildestraße in Schleswig. Die Buslinie 1504 hält direkt in der Gildestraße. Der Naturerlebnisraum ist ganzjährig zugänglich

Zur Website und mehr erfahren: www.naturparkschlei.de/de/Umweltbildung/Naturerlebnisraum-Galloway-Schleswig.php

Auch die übers ganze Land verteilten Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sind immer einen Ausflug wert. Die 35.000 Hektar großen Erlebnisräume bietet 41.000 Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Auf Wanderwegen, die durch Klapptore zugänglich sind, spaziert man durch wilde, naturbelassene Wiesen, um Galloways, Highlands, Exmoorponies und Konik-Wildpferden zu beobachten.

Mehr erfahren Sie auf: www.stiftungsland.de

 

Abschließend zwei Links zu den Direktvermarktern von Galloway-Rindfleisch

Direktvermarkter im Fleischrinder Zuchtverein in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern: www.fleischrinderzucht.de/direktvermarkter.html

Galloway-Zuchtbetriebe in Schleswig-Holstein: www.galloway.de/data/zsh.htm