Die Erdbeerzeit hat begonnen

 

Schon im Mittelalter interessierten sich Künstler für die Erdbeere: Die weißen Blüten der Walderdbeere standen für Unschuld, die roten Früchte für Liebe und Tod, die dreigeteilten Blätter für die heilige Dreifaltigkeit. Die Erdbeere ist auch auf zahlreichen Darstellungen der Mutter Gottes und des Jesuskinds zu sehen. Kein Wunder: Wer einmal an einem warmen Sommertag den Duft reifer Walderdbeeren gerochen und die aromatischen süß-säuerlichen Früchte probiert hat, ist der Walderdbeere für immer verfallen. Aber auch die moderne Zuchterdbeere lässt Künstler schwärmen. Villon bedichtete den verführerischen Erdbeermund, die Beatles sangen „Strawberry fields für ever“ (wobei, das muss gesagt werden, die Erdbeere in dem Lied als Metapher für die damals moderne Droge LSD herhalten muss) und in der Malerei (und auf Porzellan) erscheint sie bis heute als Symbol für Schönheit und als Sinnbild des Lebens.

 

Gesund und Fit

Die Erdbeere ist übrigens botanisch keine Beere, sondern zählt zu den Sammelnussfrüchten. Die rote Beere ist eine Scheinfrucht, die eigentlichen Früchte der Erdbeere sind die kleinen gelben Stippen an der Oberfläche. Die Erdbeere, von denen allein in Deutschland jährlich 200.000 Tonnen vernascht werden,  schmeckt nicht nur gut (süß und saftig), sie ist auch gesund. Sie enthält zahlreiche Mineralstoffe, Gerbstoffe, Vitamin C (auch A und Vitamine des B-Komplexes), ätherische Öle, Flavonide.

In der Naturheilkunde verwendet man Tee aus den Blättern und Wurzeln als harntreibendes Mittel. Aus dem Garten der Venus stammend, ist sie auch geeignet, Lust und Sinne zu erregen. Selbst als Kosmetikum werden die Wirkstoffe der roten Beere genutzt. Im 19. Jahrhundert war sie als Hautpflegemittel der besonderen Art bei den Damen der „besseren Gesellschaft“ besonders beliebt. Heutzutage dürfte eher im Vordergrund stehen, dass sie nur 37 Kalorien je 100 g Erdbeeren enthält. Dabei müssen Sie nicht einmal auf das Sahnehäubchen verzichten. Das kleine Sahnehäubchen auf der roten Beere verstärkt nicht nur das Geschmackserlebnis, sondern sorgt dank seines Fettgehalts auch dafür, dass das wertvolle Vitamin A für den Organismus besser erschlossen werden kann.

Erdbeeren aus der Region

In ganz Norddeutschland wurde dieser Tage die Erdbeersaison eröffnet. In Schleswig-Holstein traf mich sich dafür auf dem Betrieb von Constantin Kaack in Fuhlendorf (Kreis Segeberg).

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Claus Heller erläuterte die Anbausituation: „Der Winter war anfänglich recht mild, dann kamen aber Ende Februar winterliche Temperaturen bis –12 °C. Die meisten Erdbeeren waren mit Vlies geschützt, sodass der Frost keinen Schaden anrichten konnte wie im Vorjahr. Im Herbst haben die Erdbeeren eine ausreichende Anzahl Blüten gebildet. Daher rechnen wir in Schleswig-Holstein mit einem guten Ertrag. Aber natürlich bleibt immer noch ein Risiko, denn Landwirte sind stets abhängig vom Wetter und da kann noch einiges passieren im Laufe der Saison. Wenn alles glatt läuft, produzieren wir in Schleswig-Holstein rund 12.000 t Erdbeeren.“

Die Erdbeersaison reicht bis in den Herbst. Anders als beim Spargel hat die Erdbeersaison keinen Stichtag, wann sie endet. Eher im Gegenteil, mit sogenanntem Frigo-Anbau und mit tagneutralen Sorten, die den ganzen Sommer über blühen und fruchten, verlängern einige Betriebe die Erdbeersaison bis in den September hinein. Im Frigo-Anbau werden eingefrorene Pflanzen im Frühjahr zu einem planbaren Termin gepflanzt und ca. 60 Tage nach der Pflanzung mit der Ernte begonnen. Dabei gilt, dass sowohl die ersten als auch die letzten Früchte der Saison etwas mehr kosten als in der Hochsaison.

 

Frühe und späte Sorten

Eine sehr frühe Erdbeere im Folientunnel ist die Sorte „Flair“. Weitere gängige Frühsorten für den Tunnel sind „Clery“, „Ines“ und auf dem Betrieb der familie Kaack auch die „Magnum“. Im Freiland kommt dann die Frühsorte „Honeoye“. Diese Sorte hat ein besonders markantes Erdbeeraroma und eine sehr schöne Farbe. Die dunkelpurpurroten Früchte weisen auch ein gleichmäßig dunkelorangerotes Fruchtfleisch auf. Die mittelgroßen bis großen Früchte sind sehr aromatisch und dabei nicht zu süß. Sie eignen sich gut für Marmeladen und Desserts. Insgesamt liegt die Anbaufläche in Schleswig-Holstein nach Angaben des Statistikamtes Nord bei rund 1.000 Hektar und die Zahl der Betriebe bei rund 80.
 

Kurze Wege durch Direktvermarktung

Der Vorteil der norddeutschen Anbauer ist die Nähe zum Kunden: Kurze Transportwege ermöglichen besondere geschmacksstarke Sorten und vor allem ein spätes Pflücken reifer Früchte. Viele Erdbeererzeuger setzen auf die Direktvermarktung: In Hofläden oder Verkaufsständen an verbrauchernahen Standorten bieten sie die Früchte pflückfrisch an. Auch bei Constantin Kaack in Fuhlendorf ist die Direktvermarktung ein wichtigstes Standbein. Wenn die Früchte zahlreich an den Pflanzen hängen, setzt er – wie viele seiner Kollegen – auf Selbstpflücken. Dann können die Verbraucher die leckeren Früchte selber ernten und probieren. Gerade für Kinder ein großer Spaß.

 

Erdbeeren machen an

Erdbeeren haben nicht nur einen Stiel, sie gehören auch zum guten Stil eines jeden Picknicks. Probieren Sie es doch einmal mit einem Erdbeerkonfekt. Dafür brauchen Sie, je nach Appetit, für zwei, drei maximal vier Personen, 500 g Erdbeeren (mit Stiel), die Sie vorsichtig waschen und trocken tupfen und 100 g gute Zartbitterschokolade, die mit etwas Kokosfett in einem kleinen Topf im Wasserbad geschmolzen wird. Tauchen Sie die Erdbeeren zur Hälfte hinein und lassen sie auf Pergamentpapier trocknen. Zusammen mit einer Flasche Champagner oder einen guten deutschen Winzersekt ab in den Picknickkorb und hinaus in die schöne Landschaft. Wenn Sie dann noch ihre Liebste/ihren Liebsten im Arm halten und sich gegenseitig füttern, fühlen Sie sich schnell wie im Garten Eden.
 
www.erdbeerhof-kaack.de