Kein Osterfest ohne Eier

Das Ei ist ein wahrhaft göttlicher Einfall. Vollkommen in der Form, universell im Inhalt und schon fertig verpackt. Künstler wie Köche waren von jeher von dem ovalen Wunderding fasziniert. Jetzt zur Osterzeit steht das Ei wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Und während Künstler noch über die elegante Form ins Brüten geraten, Kinder sie fröhlich bemalen, schlagen wir Köche die Eier ungerührt in die Pfanne und bereiten ein leckeres Omelett zu oder pochieren sie zum späten Frühstück.

Alle großen Meister der Kochkunst kreierten mindestens ein denkwürdiges Eiergericht. Bereits im alten Ägypten galt das Ei als Zeichen von Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Die alten Griechen, die das Haushuhn erfanden, liebten ebenso wie die Römer das Ei zunächst mehr als das Geflügel. Bei den Christen gilt bis heute das Ei als Symbol für die Auferstehung Christi, daher haben sie zu Ostern ihren ganz großen Auftritt. Es gibt neben Lamm kein zweites Lebensmittel, was so eng mit Ostern verbunden ist.

Wichtiger Proteinlieferant

Was wäre Ostern ohne das Osterei? In dieser Zeit haben Eier im Handel Hochkonjunktur und kaum einer lässt es sich nehmen, zu Ostern gefärbte und bunt verzierte Eier zu servieren. Im letzten Jahr aß jeder Deutsche im Schnitt 230 Eier.

Eier gehören zu den hochwertigsten Lebensmitteln überhaupt. Sie sind vor allem hervorragende Eiweißlieferanten. Das Eiweiß oder Protein aus dem Ei besitzt exakt die Zusammensetzung, die der menschliche Körper optimal verwerten kann.

Das Ei lässt sich nicht nur vielfältig zum Kochen und Backen nutzen, es liefert neben dem Eiweiß alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe. Mit einer Ausnahme: Das Ei enthält kein Vitamin C. Ansonsten ist die Liste der Vitamine im Ei recht lang; allen voran ist das Vitamin A ein wichtiger Bestandteil. Es sorgt dafür, dass das Auge elastisch bleibt, sich die Iris gut an Helligkeit und Dunkelheit anpasst und die Sicht nachts besser ist. Auch verschiedene Mineralstoffe finden sich im Ei: Phosphor sogar mit einem Viertel des Tagesbedarfs. Aber auch Eisen, Calcium, Natrium und Kalium.

Dass man nur Eier kaufen sollte, die von „glücklichen Hühnern“ gelegt wurden, muss an dieser Stelle nicht besonders hervorgehoben werden. Jeder kennt die Bilder aus der Massentierhaltung.

Verkanntes Genie

In der heutigen Küche ist das Hühnerei einerseits sehr präsent, andererseits ein verkanntes Genie. Man kann die kulinarische Bedeutung des Eies kaum überschätzen. Zunächst ist es eine unentbehrliche Hilfe, wenn man einem Gericht eine bestimmte Form geben will: Wird zum Beispiel eine Eimasse in irgendein Koch- oder Backbehältnis gegossen, so formt sie sich, ob mit oder ohne Füllung, nach dessen Gestalt, die sie auch nach dem Kochen bewahrt. Dann bringt das Ei mit seinem steif geschlagenen Eischnee den köstlichen und lockeren Schaum in Soufflés und Schaumcremes und so beliebten Desserts wie Mousse au chocolat. Durch seine Emulgatorstoffe wäre eine leckere Mayonnaise und Hollandaise ohne Ei nicht vorstellbar. Aber natürlich gibt es auch zahlreiche Gerichte, in denen das Ei selbst zum Hauptakteur wird. Denken wir an Frühstücks- und Spiegeleier, an Rührei, pochierte Eier, Pfannkuchen und Omelett. Es gehört zu den Kuriositäten der Kochkunst, dass gerade die großen Köche eine schwäche für Rührei und Omelett hatten. Vielleicht war es einfach die Herausforderung, aus dem Alltäglichen etwas Besonderes zu machen. So avancierten Trüffel und Kaviar zu berühmten Rührei-Zutaten. Altmeister Escoffier servierte seiner Freundin, der Schauspielerin Sarah Bernard, regelmäßig solche Luxus-Appetithäppchen. Eine ebenfalls äußerst einfache aber zugleich raffinierte Angelegenheit ist die Zubereitung eines Omeletts. Wer das Basisrezept beherrscht, darf mit einem Schaumomelett – Eiweiß und Eigelb getrennt aufschlagen und wieder verrühren, bekommt so eine besonders luftige Konsistenz - und weiteren Zutaten wie Kräuter, Pilze, Gemüse, Wurst oder Räucherfisch seinen persönlichen Omelett-Kosmos bis ins Unendliche erweitern.

Auch ein pochiertes Ei zum späten Frühstück ist eine Köstlichkeit. Zeigt, was alles in einem Ei an Geschmack drinstecken kann. Wenn man es auf einem gebutterten Toast oder einem Bauernbrot mit einem Dip aus pürierten Kräutern, Knoblauch und Rapsöl isst, wird man erleben, wie aus einem Alltags- ein Festtagsei wird.

Pochiertes Ei 

Wasser mit einem EL Essig zum Kochen bringen. Je ein Ei über einer Kelle aufbrechen und vorsichtig ins Wasser gleiten lassen. Wenn das Eiklar weiß wird (ca. 3 Minuten), mit einem Schaumlöffel herausnehmen, abtropfen lassen und aufs Brot geben. 2 Eier pro Person dürften reichen.

Omelett-Rezept

  • 4 Eier,
  • Priese Salz,
  • ½ TL Zitronensaft,
  • ½ EL Butter

Die Eier mit dem Salz und dem Zitronensaft leicht schaumig rühren. Pfanne gut erhitzen. Butter in einer beschichteten Pfanne zerlassen, Flüssigkeit zugeben und Herd auf geringe Hitze schalten. Pfanne während des Bratens immer leicht hin und her bewegen, damit das Omelett nicht ansetzt. Wenn die Oberseite nach einigen Minuten fest zu werden beginnt, aber noch glänzt, das Omelett an den Rand gleiten lassen, das Omelett mit einem Pfannenwender zusammenklappen und auf den Teller gleiten lassen. Das Omelett sollte locker, saftig und goldbraun sein.