Foodtrends 2019

Rund 96 000 Besucher kamen im März in den Hamburger Messehallen zur jährlichen Internorga zusammen, um die Produkte und Innovationen von 1300 Ausstellern aus 25 Nationen kennenzulernen. Was wird es zukünftig Neues geben? Welche Trends setzen sich durch? Hier die fünf spannendsten Entwicklungen.


Regionale Produkte, Müllvermeidung, bewusste Ernährung und natürliche Inhaltsstoffe sind Trends, die sich in den letzten Jahren verstärkt durchgesetzt haben und soziale Medien wie Instagram, Pinterest bevölkern. Eine große Messe wie die Internorga liefert Antworten auf die Frage: Wie lassen sich solche Trends in der Gastronomie umsetzen? Orientierungshilfe für Trendsetter bot der Pink Cube, in dem Karin Tischer von food & more die Zukunftstrends vorstellte und in diesem Zuge verschiedene Aussteller besuchte:

Superfood im Weizenteig

Die Welt liebt sogenanntes „Superfood“ – also Produkte, die wahre Nährstoffbomben sind. Laut Trend- und Zukunftsforscherin Karin Tischer von food & more gehören Rote Bete und Kurkuma zu den Trendprodukten des Jahres 2019. Das heimische Rübengewächs und die exotische ‚kleine Schwester‘ des Ingwers haben so einiges gemein: Beide zeichnen sich durch eine intensive pinke und orangene Färbung aus und sind reich von geradezu magischen Inhaltsstoffen, die sie zu sogenannten Superfoods machen. Beide Produkte sind seit jeher in der Gastronomie beliebt, um schnell und einfach Speisen zu färben – doch nun sind die Produkte nicht nur wegen der Knallfarben beliebt in der Gastronomie. Messeaussteller Hilcona, Spezialist in Sachen Nudeln, springt auf den Trendbus auf – und füllt Ravioli zukünftig mit Avocado, roter Bete oder Skyr und Räuchertofu. Die Überzeugung: „Kulinarik kommt durch die Füllung – und der Trend geht zur Klarheit und Einfachheit, weg von aufwendigen Soßen.“

Die Stichworte „Sooperfood“ und „Healthy“ ziehen sich durch das gesamte Messegelände. Egal, ob im Smoothie (ganz neu: der „Hot Smoothie“), Pizzaboden oder Salat, das gute Gewissen soll ebenso gefüttert werden wie der Magen. Dass der Trend „Superfood“ meist auf exotische Produkte wie Acai Beeren, Edamame und Chia Samen bezogen ist, birgt Problematiken: Wer sich ganz diesem Trend verschreibt, mag seinem Körper etwas Gutes tun, entsagt jedoch aller Regionalität, kurzen Transportwegen und einem gesunden Umweltbewusstsein. Ein Glück, dass es zumindest das heimische Rübengewächs in den Superfood-Himmel geschafft hat und nun verstärkt Beachtung bei Food-Trendsettern und Instagram-Influencern findet.

Vom Dschungelcamp ins Burgerpatty

Selten überkommen uns Gelüste nach einer knusprig gegrillten Grille oder einer Schüssel Mehlwürmer als Snack vor dem abendlichen Spielfilm. Schade, ist der Insektenkonsum doch absolut zukunftweisend. In anderen Kulturen absoluter Alltag, ist das Essen von Insekten in unseren Gefilden eher den besonders Mutigen und Abenteuerlustigen vorbehalten. Internorga-Aussteller wie Klaas und Pitsch oder Restaurantketten wie Hans im Glück wollen dies ändern – und setzen dabei voll auf den trendigen Insektenburger. Mit gemahlenen Mehlwürmern, Getreide und Gemüse schmeckt das Patty nicht nur ausgesprochen lecker (Die Redaktion testete!), sondern ist zudem noch eine tolle Proteinquelle und Vitamin B12-Lieferant. In Zeiten von Massentierhaltung und massiven CO2-Ausstößen ist ein Umstieg auf Insekten nicht verkehrt – benötigen diese im Vergleich zu Rindern und Schweinen doch 10 mal weniger Futtermittel, 1000 mal weniger Fläche und 10 000 mal weniger Wasser auf die gleiche Menge Endprodukt gesehen. Und wer vor der Bestellung solch eines Burgers nach wie vor Gänsehaut kriegt, sei beruhigt: In den zu kaufenden Patties oder Energieriegeln befinden sich meist nur 10 bis 20% gemahlene Insekten.

No Sex Food: Gender erreicht Ernährungsbranche

Die Geschlechterrollen sind im Wandel – und das wissen wir nicht erst seit der Ehe für alle oder der Gender Pay Gap. Aber die wenigsten assoziieren dieses Thema mit Essen. Doch bei der zukünftigen Zielgruppenausrichtung eines Betriebs könnte das Geschlecht eine tragende Rolle spielen. Die Trend- und Zukunftsforschung befasst sich mit Produkten und Gerichten, die als „typisch“ weiblich oder männlich aufgefasst werden – aber auch mit Produkten, die geschlechterunabhängig begehrt sind. „Typisch weiblich sind, und das ist keine persönliche Meinung, sondern Ergebnis von Umfragen, leichte Gerichte, milde Würzung, Smoothies Prosecco… alles, was leicht und fruchtig ist“, so Tischer. Typisch männlich hingegen seien Fleisch, Bier, Spirits und eine scharfe Würzung. Interessant wiederum sind die „No Sex Foods“, zu denen beispielsweise Kaffee, Pommes und Apfelkuchen gehöre. „Oft sind die No Sex Foods traditionell verankert, doch es kommen auch neue geschlechterunabhängige Produkte wie Sushi, Bowls, Donuts, Streetfoods und Gin Tonic hinzu.“

Während es in der Mode schon längst Unisexlinien gibt, betritt die Ernährungsbranche hier noch absolutes Neuland.

Nachhaltigkeit

Begrüßenswerter Dauerbrenner unter den Food Trends ist das Thema Nachhaltigkeit. Laut food&more werden mittlerweile 79% des Kunststoffs in Deutschland recycelt, die ersten bahnbrechenden Ergebnisse zu plastikfressenden Insekten wurden bereits vorgestellt. „Im Moment stürzt sich alles fast hysterisch auf den Plastikstrohhalm“, sagt Tischer. Dies begrüße sie zwar sehr, dennoch gebe es noch viel mehr Plastiksünden, die leicht aus der Welt geschafft werden könnten. Ganz neu in der Entwicklung: elastisches Graspapier und Folien aus Holz.

Doch auch außerhalb des Forschungslabor sickert dieser Trend in den Alltag: Auf der Internorga wird durch abertausende Probierhäppchen zwar so viel Müll produziert, dass jeder Umweltschützer seine Tränen unterdrücken muss, doch viele der Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und setzen auf Schälchen aus Bananenblättern, Bambus & Co.