Ernährungsreport 2019

Es soll vor allem gut schmecken. Der aktuelle Ernährungsreport zeigt, wie sich die Menschen in Deutschland ernähren. Klassiker wie Schnitzel und Gulasch gehören weiter zu den Lieblingsessen, es wird weniger selbst gekocht und verarbeitete Lebensmittel sollen gesünder werden.

Schnell zubereitet, gesund und auch noch lecker - wenn es ums Essen geht, haben die Menschen in Deutschland Ansprüche. Die wenigsten halten sich allerdings daran, wie der Ernährungsreport 2019 der Bundesregierung zeigt. So gaben neun von zehn Befragten an, dass es ihnen beim Essen auf die Gesundheit ankommt. Trotzdem liegen Fertiggerichte laut Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) voll im Trend. Sie will deshalb gemeinsam mit der Lebensmittelbranche den Gehalt von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten reduzieren. Allerdings bringe es nichts, den Zuckergehalt von heute auf morgen zu halbieren, meint die CDU-Politikerin. Die gesünderen Produkte drohten dann zu Ladenhütern zu werden. "Am Ende wird es alles nichts bringen, wenn es nicht schmeckt", sagte Klöckner.

Gut soll es schmecken

Denn der Geschmack ist dem aktuellen Ernährungsreport zufolge, das wichtigste Kriterium. Immerhin 99 Prozent der Befragten gaben an, darauf besonderen Wert zu legen. Was schmeckt bleibt allerdings „Geschmackssache“, wird nicht näher erläutert und analysiert. Wer würde schon etwas essen, was ihm oder ihr nicht schmeckt?

Die Hälfte der Befragten achtet zudem auf eine einfache Zubereitung, etwas weiter hinten stehen der Kaloriengehalt. Am wenigsten wichtig (32 Prozent) soll den Befragten der Preis sein. Wer sich mit dem Einkaufverhalten der Deutschen bei Lebensmitteln auskennt weiß, dass es nicht stimmen kann. Immerhin: 2015 gaben noch 40 Prozent an, das sie beim Einkaufen vor allem aufs Geld achten.

Der jährliche Ernährungsreport beruht auf einer repräsentativen Umfrage von 1000 Bundesbürgern durch das Meinungsforschungsinstituts Forsa. Erfahrungsgemäß sind solche Erhebungen fehleranfällig, denn gerade beim Thema Ernährung neigen Menschen dazu, Antworten zu geben, die sozial erwünscht sind.

 

Lieblingsessen

Jeder Dritte nennt Fleischgerichte wie Rouladen, Gulasch oder Schnitzel zu seinem Lieblingsgericht. 17 Prozent bevorzugen Nudelgerichte, jeder Zehnte isst am liebsten Gemüse oder Salat. Nur 6 Prozent nennen Fisch als Favorit.

 

Nicht auf Fleisch verzichten

Auf Fleisch wollen die wenigsten verzichten. Nur ein Prozent der Befragten ernährt sich vegan, immerhin sechs Prozent essen vegetarisch. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es dagegen elf Prozent. Fast jeder Dritte (28 Prozent) isst täglich Fleisch oder Wurst.

Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es sichtbare Unterschiede: Im Osten essen nach eigenen Angaben 43 Prozent täglich Fleisch und Wurst, im Westen nur 26 Prozent. Andererseits geben im Osten 80 Prozent an, täglich Obst und Gemüse zu essen, im Westen sind es nur 69 Prozent.

Die Deutschen gehen gern einkaufen: 69 Prozent der Befragten erledigen ihre Einkäufe mehrmals pro Woche im Supermarkt. Nur neun Prozent haben sich im vergangenen Jahr Lebensmittel nach Hause liefern lassen. Etwas höher fiel der Wert in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern aus. Hier lag der Anteil bei 15 Prozent.

 

Nicht so häufig am Herd stehen

Viele wollen so wenig Zeit wie möglich am Herd verbringen. Immerhin jedem Zweitem kommt es auf eine schnelle und einfache Zubereitung an. Dieser Wunsch war gerade bei den 30- bis 44-jährigen hoch. Zudem spielte der Zeitfaktor bei Frauen eine größere Rolle als bei Männern. Achten bei den Frauen 55 Prozent auf eine schnelle und einfache Zubereitung, sind es bei den Männern 41 Prozent.

Auch wenn die Gesundheit für die Mehrheit der Befragten eine große Rolle spielt, greift immerhin jeder Fünfte täglich zu Süßigkeiten und Knabbereien.

Jeder Zehnte gab an, nie zu kochen. 77 Prozent stehen mindestens zweimal pro Woche am Herd.

16 Prozent aller Befragten leiden nach eigenen Angaben unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Deutlich mehr, als medizinische Studien hergeben.

Die Menschen in Deutschland essen gern auswärts. Immerhin 73 Prozent besuchen mindestens einmal im Monat ein Restaurant. Auch Kantinen sind beliebt. Etwa jeder vierte Erwerbstätige nutzt dieses Angebot.


Bio & Fair

Jeder Zweite gab bei der Befragung an, auf entsprechende Siegel zu achten. Das gilt auch für die Frage, ob ein Lebensmittel zu fairen oder besonders tiergerechten Bedingungen produziert wurde. Den Befragten sind auch die Angaben zu den Inhalts- und Zusatzstoffen (84 Prozent), zur Herkunft (80 Prozent) und zum Mindesthaltbarkeitsdatum (79 Prozent) „wichtig" oder „sehr wichtig". Wie viele dann tatsächlich auch zu den teureren „Tierwohl“-, Fairtrade- oder Bioprodukten greifen, erfasste die Umfrage allerdings nicht.

 

Fazit

Die soziale und politische Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich auch in der Ernährung. Die einen wollen sich bewusster ernähren und konsumieren, die anderen versprechen sich durch angereicherte Lebensmittel (Functional Food) fit für Karriere und langes (junges) Leben zu werden und die breite Masse will einfach nur billig satt werden.