Früh übt sich, wer ein Meisterkoch werden will. Kinder besuchen Kochschule.

Bettina Seitz ist in Neumünster eine kulinarische Institution. Die Köchin betreibt eine Kochschule und zusammen mit ihrem Mann, Thomas Hildebrandt, ein Hotel, ein Cateringbetrieb und andere gastronomische Unternehmungen. Sie ist gelegentlich im Fernsehen und auf Koch-Show-Bühnen zu sehen und war 2011 Vize-Grill-Weltmeisterin. Im Oktober 2017 eröffnete sie die erste norddeutsche Kochschule für Kinder und gibt 18 Kindern im Alter von 10 und 11 Jahren Unterricht. Für zwei Jahre kommen die „Miniköche“ einmal im Monat an einem Samstag von 10 bis 14 Uhr in die Kochschule. Sie lernen nicht nur selbständig ein Drei-Gänge-Menü zu kochen, sondern auch, und das liegt Bettina Seitz besonders am Herzen, wie sie sich regional und gesund ernähren können. Neben dem praktischen Kochunterricht, in dem jedes Kind jeden Handgriff selbst durchführt, werden die jungen Menschen auch in Lebensmittel- und Hygienekunde unterrichtet. Sie informiert über die Unterschiede in der konventionellen und artgerechten Tierhaltung, sowie über das jeweils auf dem Speiseplan stehende Nutztier an sich.

Ihre Idee: den Nachwuchs für den Beruf des Koches respektive der Köchin zu interessieren und zu fördern.

Ein Kochschultag

Es ist ein Samstagmorgen im Februar, halb zehn, Bettina Seitz steht messerwetzend an der riesigen Kochinsel in ihrer großen modernen Küche der Kochschule in Neumünster. Heute ist „Miniköche-Kochschultag“. Seitz ist bei den letzten Vorbereitungen, bis die ersten von den 18 Kochschülern eintrudeln. Um zehn sind dann alle vollständig mit ihren Köfferchen in der Hand eingetroffen. Jedes Kind hat zu Beginn des 2-jährigen Kochkurses einen eigenen kleinen Koffer mit seiner der Größe entsprechenden Jacke und Schürze, Halstuch, Base Cap sowie dem eigenen Messer und Schneidebrett bekommen. Die Kinder ziehen sich schnell um und los geht´s jedes Mal mit dem Erlernen einer neuen Serviettenfalttechnik.

Gar nicht so einfach und alle sind hochkonzentriert. Nachdem das Ergebnis alle zufrieden gestellt hat, wird der Tisch, wie in einem Restaurant eingedeckt. Gabel links, Messer rechts, Löffel, da es auch eine Suppe geben soll, rechts hinter das Messer, Abstand einhalten, damit später der Teller dazwischen passt. An dessen Stelle liegt dort nun erst einmal die akkurat gefaltete Stoffserviette. Es folgt eine kurze, aber intensive Lerneinheit über das Hühnchen, das es heute zuzubereiten gilt. Welche Teile des Geflügels können wofür verwendet werden, wie erkennt man ein artgerecht gehaltenes Tier und welche Teile des Federviehs sollen für die heutige Mahlzeit zubereitet werden. Anschaulich gemacht wird der Unterricht mit einem Hühnchenteileposter. Die neun Jungs und neun Mädels sind aufmerksam und interessiert dabei.

Jetzt wird gekocht

Und dann geht es auch schon ab in die Küche.

Vier frisch vom Markt erstandene Hühnchen werden gründlich mit kaltem Wasser gewaschen, davor und danach die Hände der Kinder. Alle Miniköche platzieren sich dann um die Kochinsel herum und werden von Bettina Seitz in Gruppen eingeteilt. Hühnchen auseinanderschneiden, Gemüse putzen und Gemüse klein schneiden, Pfannkuchen Teig anrühren und die Füllung der Hühnchen Brust vorbereiten. Rezepte liegen an jedem Platz und Seitz macht an einem Hühnchen vor, wie das Messer gehalten und wo am leichtesten geschnitten wird. Immer Mal wieder tauchen Fragen auf: „Wie bekomme ich eine vergessene Feder aus der Hühnchen-Haut“, oder „wo beginnt der Schenkel und wie kann man den denn abbekommen?" Nach einiger Zeit wechseln die Gruppen, so dass am Ende jedes Kind jeden Handgriff selber durchgeführt hat.

Souverän leitet Seitz die Gruppe an und behält bei allem Trubel stets den Überblick.

Ein entspanntes und sehr spaßiges Highlight des Vormittags ist das Erlernen des Pfannenkuchen Wendens. Den Pfannenkuchen mit dem richtigen Maß an Schwung und Neigung in die Luft zu befördern, sodass er gewendet wieder in der Pfanne aufgefangen wird, erforderte bei einigen Miniköchen schon ein bisschen Mut und Übung. Mit viel Gelächter und Ausdauer haben es dann aber alle geschafft.

Auf die Frage an die Kinder, wie sie auf die Idee kamen hier mitzumachen, erzählten sie, dass bei den meisten ihre Mutter in der Zeitung darüber gelesen hätte und daraufhin ihr Kind angesprochen habe, ob es nicht Lust hätte, dabei mitzumachen. Bei Leonhard und Jan sah es so aus, dass sie ihrem Freund und Klassenkameraden Tjorben davon erzählten und dadurch das Interesse bei ihm an dem Kurs geweckt wurde. Auf die Frage, ob die Kinder zuhause auch kochen, erzählte Janne, dass neben dem Malen das Kochen ihr liebstes Hobby wäre. Sie möchte später gerne ein Café eröffnen, in dem mittags auch kleine warme Gerichte angeboten werden sollen. Veronika möchte Köchin werden. Sie bereitet zuhause oft den Salat zu.

Auf die Nachfrage, was ihnen am Kochen denn am meisten und was am wenigsten Spaß machen würde, kam ziemlich übereinstimmend von den Jungs die Antwort „Schneiden“. Keinen Spaß macht es ihnen, wenn etwas anbrennt.

Bei den Mädels liegt der größte Spaß im Experimentieren, nicht so spaßig finden sie es, sich in den Finger zu schneiden.

Es ist offensichtlich, dass Bettina Seitz die Arbeit mit den Kindern viel Spaß macht. Etwas bedauerlich findet sie die Tatsache, dass sich bis jetzt keine ehrenamtlichen Helfer oder Sponsoren für dieses Projekt gefunden haben.

Zum krönenden Abschluss dürfen die Miniköche ihr selbst zubereitetes Menü probieren und aufessen. Heute gibt es eine Hühnersuppe mit Pfannkuchen Streifen und gebackenen Erbsenpüree-Bällchen als Einlage. Hinterher wird die mit getrockneten Tomaten, Spinat und Schafskäse gefüllte Hühnchen Brust verspeist. Alle Kinder sind begeisterst von ihrem selbst zubereiteten Menü und lassen es sich so richtig schmecken.

Kochschule Neumünster

Plöner Str. 78
24534 Neumünster
Tel. 04 32 1 / 8 77 25 28

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