Kieler Ernährungsrat gegründet

Am 24. Januar gründeten eine Schar bunter Initiativen und Privatpersonen den Ernährungsrat Kiel, um eine Ernährungs- und Agrarwende einzuläuten.

Ziel dieses Rates ist es, Landwirte, Obstbauern und Nutztierzüchter mit den Konsumenten wieder stärker zusammenzubringen, um der globalisierten („entfremdeten“) Landwirtschaftspolitik entgegenzusteuern. Stichwort: Aus der Region, für die Region. Außerdem die Transportwege von Nahrungsmitteln so kurz wie möglich zu halten, beim Anbau auf Artenvielfalt zu achten und die Kleinbauern und Landwirte zu unterstützen. Nachhaltigkeit war die große Klammer des Treffens im Kieler Ratssaal.

Zum Eingang der Veranstaltung stellte sich Doris Grondke vor, die neue Stadträtin für Bau und Umwelt der Landeshauptstadt. Sie war der Überzeugung, dass uns gar nichts Anderes übrig bliebe, als unsere Ernährungsgewohnheiten in Frage zu stellen. Besonders die aufwendigen Verpackungen vieler Nahrungsmittel, die Überdüngung der Böden, Monokulturen und die stark überfischte Nordsee sollten uns zum Umdenken bewegen.

Lebensmittelknappheit

Der Vorstandssprecher vom Berliner Institut für Welternährung e.V., Dr. Wilfried Bommert, hielt einen Vortrag über den Klimawandel, die Ursachen und Auswirkungen der weltweiten Wetterkapriolen und die Möglichkeiten, die wir noch haben, wenn wir jetzt umdenken und handeln.

Er wies auch darauf hin, dass schon ein Sturmtief wie „Frederike“ die Nahrungskette unterbrechen konnte, durch umgekippte Lastwagen, still gelegter Zugverkehr wegen umgewehter Bäume und vereister Weichen. Laut Bommert können wir in Deutschland gerade mal drei Tage ohne Lebensmittellieferungen überstehen. Alle Wetterbedingungen, die den Import und die Weiterführung von Lebensmitteln zu den Verbrauchermärkten für längere Zeit unterbrechen würden, hätten zur Folge, dass die Regale in den Verbrauchermärkten größtenteils leer blieben. Auch läge die Selbstversorgerquote im Lande bei gerade einmal 20%.

Er geht davon aus, dass bis zum Jahr 2080 ca. 40% der Ernteeinnahmen allein durch die immer längeren Dürreperioden in Indien, Afrika und Amerika fehlen werden. Auch wies er darauf hin, dass die Hälfte der Bodenfruchtbarkeit schon heute um 50% beeinträchtigt ist.

Schon jetzt, bei einer Weltbevölkerung von rund 7,3 Milliarden Menschen, steht durch den Klimawandel, die Monokulturen, den Schwund der wichtigen Düngungs-Nährstoffe wie Kalium und Phosphat, der Massentierhaltung mir ihren Folgen und die Globalisierung, das Verhältnis von Produktivität (+ 1%) zu der Nachfrage (+ 1,8%) im starken Missverhältnis. Die Folge davon werden steigende Preise und wachsende Lebensmittelknappheit sein.

Auf das düstere Szenario folgte eine angeregte Diskussion mit dem 100-köpfigen, vor allem weiblichen, Publikum. Am Ende fanden sich gut 30 Personen und Initiativen, die den Kieler Ernährungsrat aktiv unterstützen möchten. Ihr Motto: Im Kleinen das Große verändern.

Weitere Ernährungsräte gibt es in Köln, Hamburg und München.

Weitere Infos:
www.ernährungsrat-kiel.de