Glyphosat-Krimi

Der in der Nähe von Greifswald lebende Autor Volker Pesch hat in seinem ersten Krimi („Denn wer hat, dem wird gegeben“) seinen Ermittler eingeführt, den Polizeiseelsorger Tom Schroeder. Zugleich wurde uns in diesem Buch die Greifswalder Restaurantszene samt den dort servierten Spezialitäten vorgeführt. Im neuen Buch geht es nun eher darum, woher das gute Essen denn stammt, und wir lernen die ländlichen Gefilde um Greifswald und Anklam herum kennen.

Tom Schroeder soll sich eigentlich um die Seelen seiner Kollegen bei der Greifswalder Polizei kümmern, findet aber den Fund von drei Moorleichen wesentlich interessanter.

Die Moorleichen sehen allerdings nicht so aus wie die, die er aus archäologischen Museen kennt. Sie sind viel neuer, gar nicht ledrig verschrumpelt, und zunächst weist alles daraufhin, dass es sich um russische Zwangsarbeiter handelt, die in den letzten Kriegstagen ermordet worden sind. Allerdings, die erhaltenen Stoffreste sind zu solide, und der eine Tote trägt eine teure Schweizer Uhr, das passt so gar nicht zu Moorsoldaten. Im Schädel des einen Toten steckt noch die Kugel - doch niemand hat Zeit, sich auf die Suche nach dem dazugehörigen Gewehr zu machen, denn nun geschieht ein Mord.

Ein Geschäftsmann, der Bauern in Geldnot Land abkauft und es ihnen zu Wucherbedingungen wieder verpachtet, wird erschossen aufgefunden. Es gibt jede Menge landwirtschaftlicher Betriebe mit Mordmotiv, doch als sich herausstellt, dass der Geschäftsmann mit derselben Waffe erschossen worden ist wie vor 70 Jahren der Tote aus dem Moor, verringert sich die Menge der möglichen Mörder gewaltig. Gesucht wird ein mindestens 90 Jahre alter Mörder. Andererseits könnte der Mörder von damals seine Waffe ja auch verliehen oder vererbt haben.

Kein Wunder, dass Tom Schroeder die Seelsorge erst mal an den Nagel hängt und lieber mit den beiden mit den Ermittlungen beauftragten Kommissarinnen auf Mörderjagd geht.

Die Lösung am Ende ist überraschend - und durchaus befriedigend, jedenfalls für Tom Schroeder, der sich dann wieder den Seelen widmen kann.

Wenn der Verlag Sinn für reißerische Aufmachung hätte, hätte er „Glyphosat-Krimi“ auf das Cover drucken können. Es geht im Buch immer wieder darum, was dem Boden angetan wird, wie durch immer mehr Gift immer schlechtere Erträge erzielt werden, und wie es überhaupt so weit kommen konnte. Ein hochaktuelles Stück Agrargeschichte also – und zum ersten Mal in der deutschen Krimiliteratur wird erörtert, welcher Kalk für welchen Boden als Dünger geeignet ist und was passieren kann, wenn man aus Ignoranz oder falscher Sparsamkeit nicht den richtigen nimmt. Natürlich kann auch ein Seelsorger nicht nur von Bibelworten leben, und auch in diesem Buch wird wieder herzhaft geschmaust, vor allem wird beim Wild zugelangt. Denn der Autor ist auch Jäger und verfasst Jagdgeschichten mit überraschender Pointe. Deshalb wird übrigens der tödliche Schuss zu Beginn des Buches von einem Hochsitz aus abgegeben. Überhaupt spielen Jäger eine große Rolle in den Ermittlungen, und die Sachkenntnis des Autos zeigt sich in unvergleichlichen Sätzen wie diesem: "Zwei der Wildscheine gingen über Kopf und blieben schlegelnd liegen."

Video: Trailer zum Küsten-Krimi von Volker Pesch: "Dornen und Disteln soll er dir tragen" Produziert vom CMZ Verlag

Volker Pesch: Dornen und Disteln soll er Dir tragen.

CMZ Verlag, 270 Seiten, 12.95 Euro